Woman in Cabin 10 / Ruth Ware

Kurzbeschreibung
Die Journalistin Lo befindet sich auf einer Kreuzfahrt, die Kurs auf die norwegischen Fjorde nimmt.
Eines Nachts hört sie ein Platschen und wird Zeugin eines Mordes.
Doch niemand will etwas gesehen oder gehört haben. Keiner glaubt ihr und es stellt sich die Frage ob Lo sich alles einbildet.
Doch wenn es keine Einbildung ist, befindet sich der Mörder auf diesem Schiff und vielleicht, ist sie sein nächstes Opfer …

Eindruck
Bei dieser Story könnte man eigentlich aufgrund des Plots von einer sehr spannenden und beklemmenden Atmosphäre ausgehen.
Ein Mörder auf einem Kreuzfahrtschiff kann theoretisch jederzeit und überall sein Unwesen treiben.
Eigentlich …
Der Großteil der Handlung konzentriert sich auf das Gedankenchaos der Hauptfigur, die immer wieder versucht herauszufinden, was in jener Nacht geschah, und damit nicht nur die Passagiere nervt, sondern auch wirklich jeden verdächtigt.
Dazu bleibt ihr ja auch genug Zeit, denn so ein Schiff ist schließlich eine ganze Weile unterwegs. Abgeschnitten von der Außenwelt, ohne Internet oder Handyempfang.
Und so entstehen in der hier beschriebenen Geschichte desöfteren sehr ruhige Passagen – ohne nennenswerten Spannungsfaktor oder Schockmomente.
Sie bieten zwar irgendwie eine unterschwellige beklemmende Atmosphäre, die mir gut gefiel, jedoch war es für mich einfach zu wenig, um diese Handlung als einen Thriller zu beschreiben.
Denn im Grunde genommen passiert viel zu wenig, was wirklich Spannung bieten könnte, doch gleichzeitig zuviel um diverse Längen zu vermeiden.
Die Idee, den Leser und/oder Zuhörer mit Wahnvorstellungen zu verwirren, finde ich zwar ganz gut, jedoch wurde es meiner Meinung nach, nach einem gewissen Zeitraum einfach zu viel des Guten.
Es sind zwar verschiedene Fährten vorhanden, die zusätzlich auf die falsche Spur locken sollen, doch irgendwie war ich leider trotzdem relativ schnell auf der richtigen Spur, sodass selbst das Ende mich nicht wirklich überraschen konnte.

Unter anderem machte es mir auch die Beschreibung der Charaktere schwer.
Damit meine ich fast ausschließlich die Beschreibung der Protagonistin.
Mir geht es hierbei nicht um ihre sprunghaften und teils instabilen Gedanken, die für diesen Verlauf nötig sind.
Diese werden wirklich gut dargestellt aber die kleineren Handlungen und die daraus folgenden Konsequenzen, waren für mich eher unlogisch und ließen sie sehr unglaubwürdig erscheinen. Man muss mit Figuren nicht sympathisieren aber sie sollten authentisch wirken. Dies kann ich bei dieser Handlung allerdings eher den Nebenfiguren zugestehen, die auf mich viel glaubwürdiger wirkten.

Vielleicht hätte ich das Buch sogar abgebrochen aber zum Glück hatte ich mich fürs Hörbuchformat entschieden, dass von der Sprecherin Julia Nachtmann vorgelesen wird.
Ihre Stimme konnte nicht nur die vorhandene Atmosphäre unterstützen und die oftmals vermisste Spannung um einiges erhöhen, sondern ließ in dem Fall auch die Hauptfigur authentischer werden.
Sie interpretiert die Paranoia und Panik sehr gut, sodass man zwischendurch wirklich nicht mehr weiß was man glauben soll.
Dies hat für mich das Ruder in der Geschichte rumgerissen, sodass ich weiter dran bleiben wollte.

Fazit
„Woman in Cabin 10“ hat es mir leider nicht leichtgemacht. Fairerweise muss man dieser Geschichte eine gewisse Spannung und eine tolle Atmosphäre zugestehen, jedoch würde ich sie tatsächlich eher als einen leichten Spannungsroman statt eines Thrillers beschreiben.
Ich bin froh, in diesem Fall das Hörbuch vorgezogen zu haben, denn die Sprecherin konnte diverse Szenen zusätzlich aufwerten.
Dies war nun mein zweiter Versuch mit Thriller-Erwartung an Ruth Ware, und ich denke, von weiteren Versuchen werde ich in Zukunft absehen.

Weitere Informationen zum Hörbuch
Titel: Woman in Cabin 10
Autor: Ruth Ware
Sprecherin: Julia Nachtmann
Verlag: Der Audio Verlag
ISBN: 978-3-7424-0195-3
Laufzeit: ungekürzte Fassung, 11 Std. 04 Min.
Erschienen am: 27.12.2017

Weitere gehörte und rezensierte Hörbücher der Autorin
* Im dunklen, dunklen Wald

5 Gedanken zu „Woman in Cabin 10 / Ruth Ware

  • 7. Februar 2018 um 14:40
    Permalink

    Hey 🙂

    Mit ein bisschen Verspätung schaffe ich es nun auch, nen Kommentar dazulassen :). Dein neues Theme gefällt mir übrigens sehr gut, ist für mich vor allem von der Schrift her viel besser lesbar!

    Nun zum Buch: Ich habe „Im dunklen, dunklen Wald“ ja auch als Hörbuch gehört – und schließe mich an, die Sprecherin macht ihre Sache gut. Schätze aber auch, dass mich wohl „Woman in Cabin 10“ eher nicht begeistern wird, wo mich schon die Protagonistin in „Im dunklen, dunklen Wald“ genervt hat, oder?

    Liebe Grüße
    Ascari

    Antwort
    • 7. Februar 2018 um 14:48
      Permalink

      Hey,
      schön dich wieder zu lesen. 🙂
      Zum Theme: Ich bin echt total verliebt drin. Und ja, mit der alten Schrift geb ich dir recht, ich fand es auch anstrengend. Nur manchmal ist man einfach etwas festgefahren und braucht ein Weilchen um zu wissen, was man ändern will. 😉
      Zum Hörbuch: Julia Nachtmann macht das richtig gut. Was deine Frage zur Prota angeht … ich bin mir da nicht sicher, andere wiederum waren ja richtig begeistert vom Hörbuch.
      Wirklich schwer dir da was zu raten 🙁
      LG Ela

      Antwort
    • 31. Januar 2018 um 19:12
      Permalink

      Ich sag ja nicht dass es schlechter war als der Vorgänger? Eine gewisse Atmosphäre war ja auch vorhanden.
      Für mich war er aber eben kein Thriller, dafür fehlte mir einfach der Thrill und mehr Spannung.
      Da gehen halt wieder die Geschmäcker in verschiedenen Richtungen. 😉

      Antwort

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