Wie ein Fisch im Baum / Lynda Mullaly Hunt

Kurzbeschreibung
Die elfjährige Ally fällt bei ihren Lehrern oft auf.
Dabei will sie nur um jeden Preis verbergen, dass sie nicht lesen und schreiben kann.
Mr. Daniels, der neue Lehrer, gewinnt ihr Vertrauen und bemerkt, dass Ally nicht nur hochintelligent, sondern auch Legasthenikerin ist.
Endlich hat Ally Hoffnung und setzt sich sogar mit ihren neuen Freunden Keisha und Albert gegen die mobbende Mitschülerin Shay durch.

Meinung
Den meisten von uns fällt das Lesen und Schreiben leicht. Gerade wir Leser inhalieren nur zu gern die Wörter und rasen über die Seiten. Schreiben unsere Rezensionen und grübeln hin und wieder darüber, ob das Wort richtig geschrieben ist.
Wir können die Worte greifen, sie fassen und verstehen.
Doch die Protagonistin in Lynda Mullaly Hunts Jugendroman kann das nicht.
Ihr verschwimmen die Buchstaben, sie kann sie nicht fassen und nur selten zu einem Wort zusammenfügen.
Schon das Vorwort der Autorin lässt erahnen, wie berührend diese Geschichte ist. Und diese Ahnung hat sich beim Lesen dieses Romans bewahrheitet.
In kurzen Kapiteln, die mit Überschriften versehen sind, beschreibt die Autorin auf unheimlich feinfühlige aber auch leichtverständliche Weise, Allys Geschichte, die sich aufgrund ihrer Legasthenie dumm und hilflos vorkommt und in der Klasse gemobbt wird.
Denn bis zu einem gewissen Zeitpunkt ahnt Ally nicht einmal den Grund für ihre Lese- und Rechtschreibschwäche.
Sie lässt sich die unglaublichsten Ausreden einfallen und stört freiwillig den Unterricht, um zur Direktorin geschickt zu werden, nur, damit es nicht auffällt, wie schwer es ihr die Buchstaben machen.
Als ihr Leidensdruck zu groß wird, bringt die Autorin einen unheimlich tollen Lehrer ins Spiel, der sich Ally annimmt und ihr das nötige Vertrauen schenkt.
Damit ändert sich für Ally alles.
Insgesamt sollte man aber nicht zu viel hinterfragen und die Geschichte so annehmen, wie sie ist.
Denn in erster Linie widmet sich die Handlung voll und ganz Ally, die für das was sie erreichen will, mit ihren Freunden kämpft.
Anfangs dachte ich immer wieder darüber nach, dass Allys Legasthenie erst so spät entdeckt wurde, was schon fast unglaubwürdig erschien. Teilweise dachte ich auch, dass es mehr deutlichere Reaktionen auf das Mobbing geben müsste.
Auch ihre Mutter oder eben auch die anderen Lehrer hätten Ally Schwierigkeiten doch längst bemerken sollen?
Sieht man aber über diesen Punkt hinweg und nimmt die Geschichte an, wie sie ist, wird man mit einem wunderbaren, ergreifenden Jugendroman belohnt, der von Freundschaft und Hoffnung erzählt.
Der zeigt, dass es sich lohnt, mutig zu sein.
Denn mit Keisha und Albert, die ebenfalls wunderbar sonderbar sind, bekommt Ally eine großartige Unterstützung.

Hier macht sich die wunderbare Figurenbeschreibung bemerkbar, denn alle wirklich wichtigen Personen werden ausreichend und teils sehr detailliert beschrieben.
Ally als Protagonistin ist unheimlich liebenswert und berührt mit ihrem Charakter das Leserherz.
Für ihre 11 Jahre ist sie sehr intelligent, sie liebt das Zeichnen und kann Ungerechtigkeit nicht ausstehen.
Ihr Wunsch endlich normal, wie alle anderen zu sein, ist unendlich groß.
Keisha und Albert sind ebenfalls liebenswert, die mit ihren Schicksalen die Geschichte noch interessanter machen und gemeinsam mit Ally für einige amüsante und etwas spannende Momente sorgen.
Wunderbar dargestellt ist auch Mr. Daniels, der anfangs zwar vielleicht etwas zu locker wirkt, allerdings genau weiß was er da tut und wie er Allys Vertrauen gewinnt.
Seine Art auf die Schüler einzugehen ist einfach nur toll und so war ich stets gespannt, was er für den nächsten Unterricht plante.
Leider blieb aber insbesondere Allys Mutter sehr blass.

Als sehr mitreissend empfand ich den Schreibstil der Autorin. Sie spricht mit ihrer Art junge aber auch ältere Leser an, verwendet weise Worte und mindestens zwei Zitate habe ich mir selbst herausgeschrieben um sie mir zu merken.

„ Weißt Du“, sagte er, „wenn jemand eine andere Person herunterziehen kann, heißt das logischerweise, dass er oder sie sich bereits unter dieser Person befunden hat!“
(Quelle: Seite 83, Wie ein Fisch im Baum, Lynda Mullaly Hunt, cbt Verlag)

oder auch
„ Elefanten empfinden eine große Bandbreite von Gefühlen, aber Ihr Verhalten bleibt gleich. Nach außen hin sehen Freude und Traurigkeit oft gleich aus“.
(Quelle: Seite 261, Wie ein Fisch im Baum, Lynda Mullaly Hunt, cbt Verlag)

Die Dialoge in dieser Geschichte sind größtenteils sehr ernst und bewegend aber auch unheimlich humorvoll.
Die Legasthenie aber auch das Mobbing beschreibt sie so bildhaft und verständlich, dass es sehr leicht fiel, sich die Schwierigkeit vorzustellen.

Fazit
„Wie ein Fisch im Baum“ hat meinen Tag zu einem „Silberdollartag“ gemacht, und wenn ihr wissen wollt, was ein Silberdollartag“ ist dann lest diesen wunderbaren und bewegenden Jugendroman, der meiner Meinung nach auch in Schulen besprochen werden sollte.
Denn er bringt jungen und älteren Lesern nicht nur das Thema Legasthenie näher, sondern zeigt auch, dass Gemeinschaft stärken kann und das es sich lohnt, um Hilfe zu bitten.

Weitere Informationen zu diesem Buch
Titel: Wie ein Fisch im Baum
Autor: Lynda Mullaly Hunt
Verlag: cbt
ISBN: 978-3-570-16420-4
Seitenzahl: 299
Erschienen am: 31.10.2016

16 Kommentare zu “Wie ein Fisch im Baum / Lynda Mullaly Hunt

  1. Hallo Ela,
    durch „Mikkas Kreuzfahrt“ bin ich hier gelandet, habe etwas gestöbert und weil ich dieses Buch ebenfalls gelesen und sehr gemocht habe, hoffe ich sehr, dass viele deine Zeilen dazu lesen und das „Silberdollar-Gefühl“ teilen. 😉
    Danke für die sehr ansprechende Rezension. <3
    Liebe Grüße, Hibi

    • Hallo Hibi,
      erst einmal ganz lieben Dank für deine lieben Worte!
      Es freut mich sehr, dass Dir meine Rezension zu diesem Buch gefallen hat.
      Es wäre natürlich toll wenn noch viel mehr dieses Buch lesen würden, denn es muss einfach noch viel mehr gelesen werden, finde ich. 🙂
      Liebe Grüße
      Ela

  2. Hi Ela 😀
    Ein Silberdollar Tag 😀 Das Buch hier habe ich auch in mein Herz geschlossen, es war echt ein Highlight von mir im letzten Jahr!!! Echt schrecklich, was Ally alles erleben musste, aber der Lehrer war soooo toll! Ich wünschte, ich hätte so einen während meiner Schulzeit gehabt!

    Liebe Grüße
    Jessi

    • Hi Jessi,
      jaaaaaaa genau, ein Silberdollartag. Da du das Buch ja schon kennst wirst du wissen was ich damit meine. 🙂
      Ich wusste gar nicht das Du es auch schon gelesen hast und schau später noch bei Dir vorbei.
      Der Lehrer war wirklich toll und auch zu meiner Schulzeit hätte es mehr solcher Lehrer bedurft.
      Liebe Grüße
      Ela

  3. Hallo Ela,

    jetzt weiß ich nicht, ob mein Kommentar gerade durchging oder hängen geblieben ist. Auf einmal war die Seite weiß. Also vorsichtshalber noch ein Versuch…

    Dieses Buch mag ich auch gerne lesen und es steht auch schon auf meiner Merkliste für die Onleihe. Jetzt nach deiner Rezension bin ich noch ein bisschen neugieriger auf das Buch.

    Liebe Grüße
    Julia

  4. Hallo Ela,

    das steht auch auf meiner Merkliste für die Onleihe, denn die Thematik finde ich sehr interessant. Jetzt nach deiner Rezension bin ich noch ein bisschen neugieriger auf das Buch als sowieso schon.

    Liebe Grüße
    Julia

    • Hallo Julia,
      na das freut mich doch wenn Du nun noch neugieriger bist!
      Umsp gespannter bin ICH dann auf deine Meinung. 🙂
      Liebe Grüße
      Ela

  5. Hallo,
    Das hört sich sehr interessant an. Kaum vorzustellen was das arme Kind da aushalten musste… Für mich ist es eher nichts, trotzdem danke für die Rezension.
    LG Sonja

    • Hallo Sonja,
      ja ich fand schon hart und kenne eine ähnliche Thematik aus meiner Schulzeit.
      Kinder können grausam sein und umso wichtiger ist es, dass Lehrer auf solche Themen eingehen und aufklären.
      Liebe Grüße
      Ela

Kommentar verfassen