Was wir dachten, was wir taten / Lea-Lina Oppermann

Kurzbeschreibung
Ein Amokalarm in der Schule.
Eine maskierte Person dringt ins Klassenzimmer ein und bedroht dort alle Schüler und den Lehrer mit einer Pistole.
Er zwingt sie, bestimmte Aufgaben zu erfüllen, die gut gehütete Geheimnisse bestimmter Personen enthüllen.
Während der eine dabei Genugtuung empfindet, sind andere fassungslos.
Als der Täter zum Schluss entlarvt wird, ist nichts mehr, wie es war, denn durch das eigene Handeln ist die Normalität längst gewichen.

Meinung
Bei dem Thema Amoklauf in Büchern entstehen bei mir meist direkte Bilder im Kopf, die wir aus den Medien kennen.
Besorgte Eltern, weinende Mitschüler und die Frage nach dem Warum.
„Was wir dachten, was wir taten“ richtet sich thematisch aber mehr nach der Frage, was einzelne Mitschüler zu verbergen haben. Warum sie so sind, wie sie sind und ob sie bereit sind, bis zum äußersten Schritt zu gehen, wenn das eigene Leben bedroht wird.
Dabei fokussiert die Erzählperspektive zwei Mitschüler und einen Lehrer, die direkt aus ihrer Erinnerung heraus, über diesen Tag berichten.
Man ist als Leser also mittendrin im Geschehen.
Alle drei Erzählstränge sind sehr emotional aber auch unterschiedlich in ihren Meinungen. Angst, Wut und Frustration sind deutlich spürbar.
Dadurch wir die Geschichte bis zum Schluss von einer unterschwelligen Spannung durch die bedrohliche Atmosphäre begleitet.
Da der Täter bis zum Schluss unerkannt bleibt, fiebert der Leser natürlich nicht nur mit der Klasse mit, sondern stellt auch erste Vermutungen über die Person an.
Leider war die Entlarvung für mich zum Schluss weniger überraschend.
Dies war aber zu verschmerzen, denn die Geschichte zeichnet sich eher durch die sehr berührenden, wenn auch schockierenden Momente aus, wenn die Schüler zu diversen Handlungen gezwungen werden.

Bestimmt mag dies auch an der faszinierenden Charakterbeschreibung liegen.
Im Vordergrund stehen natürlich die Schüler Mark und Fiona sowie der Klassenlehrer Herr Filler.
Hier fand ich besonders die Lehrerperspektive interessant.
Auf der einen Seite ist er dazu verpflichtet, die Schüler mit aller Macht zu schützen, doch auf der anderen Seite, ist er selbst voller Angst und Frustration.
Diese hilflosen Gedanken, die er hegt und die nicht immer positiv den Schüler gelten, fand ich sehr authentisch.
Doch auch Mark und Fiona überzeugten mich mit ihren Handlungen und Gedanken.

Wie bereits oben angemerkt, empfand ich den Schreibstil als ungemein fesselnd und vor allem sehr bildhaft.
Die beschriebenen Situationen, in denen sich die Lage zuspitzt, wirkten so greifbar, dass die vorhandene Atmosphäre noch beklemmender und bedrückender erschien.

Fazit
„Was wir dachten, was wir taten“ ist ein spannender und beklemmender Jugendroman, der meiner Meinung nach aus der Masse heraussticht und lange in Erinnerung bleiben wird.
Er verläuft recht unblutig, setzt eher auf die Psyche und zeigt auf, wozu andere Mitschüler in Notsituationen fähig sind. Vielleicht verleitet er auch dazu, das eigene Handeln zu reflektieren und mehr auf seine Umgebung, in dem Fall die Mitschüler zu achten.
Daher denke ich, dass dieses Buch sich sehr gut als Schullektüre eigenen würde, und empfehle es nicht nur jugendlichen, sondern auch erwachsenen Lesern.

Weitere Informationen zu diesem Buch
Titel: Was wir dachten, was wir taten
Autor: Lea-Lina Oppermann
Verlag: Beltz & Gelberg
ISBN:978-3-407-02567-8
Seitenzahl: 180
Erschienen am: 10.07.2017

10 Kommentare zu “Was wir dachten, was wir taten / Lea-Lina Oppermann

  1. Huhu Ela,
    so, meine Rezi ist geplant, da kann ich nun bei dir vorbeilesen kommen. Das Hörbuch ist definitiv eins meiner Jahreshighlights. Die Story ist toll, wenngleich ich sehr froh bin, dass nicht alle Lehrer so ticken wie Herr Filler 😉
    Aber was die drei Sprecher daraus gemacht haben, ist echt ein Knaller. Ich glaube, ich muss es nochmal hören!
    Mit der Empfehlung als Schullektüre hast du definitiv recht, das hatte ich auch in meiner Rezi erwähnt 🙂
    Liebe Grüße, Heike

    • Hallo Heike,
      ich freu mich, dass in Deinem Fall auch die Hörbuchversion überzeugen konnte.
      Ich schau später mal bei dir vorbei, bin mal gespannt wer die Sprecher waren.
      Liebe Grüße
      Ela

  2. Hallo Ela,

    ich finde, dass das Buch sehr spannend klingt und ich mag Bücher, in denen es um Geheimnisse geht. Die Thematik des Amoklaufes kommt mir hier etwas seltsam vor, weil in meinen Augen ein Amoklauf so abläuft, dass jemand „wie wild“ durch die Gegend läuft und Leute innerhalb kürzester Zeit tötet. Das scheint hier nicht so zu sein, der Täter hat wohl andere Motive. Trotzdem klingt es äußerst spannend.

    Liebe Grüße
    Anna

    • Hallo Anna,
      Du hast recht, es läuft nicht unbedingt wie ein „typischer Amoklauf“ ab.
      Dabei darf man auch nicht außer acht lassen, dass es sich hier um einen Jugendroman handelt.
      Spannend und fesselnd fand ich es dennoch 🙂
      Liebe Grüße
      Ela

  3. Liebe Ela,
    so ein geartetes Buch habe ich noch nie gelesen. Eigentlich noch gar kein Buch mit der Thematik Amoklauf. Schade, dass du am Ende vom Täter nicht mehr überrascht warst. Das wäre noch der Höhepunkt gewesen, oder? Aber ich merke mir das Buch auf jeden Fall mal. Die psychiche Seite, die du so intensiv beschreibst, hat mein Interesse sehr geweckt! Vielen Dank!
    GlG vom monerl

    • Hallo Monerl,
      ich fand es jetzt nicht sooo schlimm, dass ich am Ende nicht überrascht war, zumal es ja kein Krimi oder Thriller war und es der Handlung nicht geschadet hat.
      Thema Amoklauf wird ja in einigen Büchern besprochen, falls dich die Thematik interessiert, lege ich Dir „Wir müssen über Kevin reden“ von Lionel Shriver, das aus der Sicht der Mutter eines Amokläufers erzählt wird. Dieses Buch wurde übrigens auch verfilmt. 🙂
      Liebe Grüße
      Ela

      • Hallo Ela,
        irgendwie sind diese Bücher ganz an mir vorbeigegangen. Danke für den zweiten Tipp, habe ich mal auf meine Wunschliste gesetzt. Muss mal den Film googeln. Seit der Geburt meiner beiden Kleinen, war ich erst zweimal im Kino. haha Aber gut, dass es DVD und Ähnliches gibt… 😉
        Hab ein schönes Wochenende, liebe Grüße,
        monerl

        • hallo Monerl,
          gerne doch 🙂
          Du wirst lachen, obwohl wir keine Kinder haben war der letzte Film „Fantastische Tierwesen und …“
          Schauen daher auch eher DVD´s 🙂
          LG Ela

          • Liebe Ela,

            noch einmal herzlichen Dank für das Buch! Ich habe es gelesen und ganz begeistert gehört. Du hattest recht, dass mir die Geschichte gefallen würde. Ich habe deine Rezi bei mir verlinkt, da sie eine gute Ergänzung ist. 🙂

            GlG vom monerl

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