Rotkäppchen muss weinen / Beate Teresa Hanika

Titel: Rotkäppchen muss weinen
Autor: Beate Teresa Hanika
Verlag: Fischer
ISBN: 978-3-596-80858-8
Meine Meinung:
Kurzbeschreibung
Er nennt sie Rotkäppchen, als er sie mit ihrem Korb am Fahrradlenker fahren sieht.
Rotkäppchen – weil der Korb für den Großvater ist, dessen Einsamkeit nur ein Vorwand ist. Rotkäppchen – weil der Wolf sie längst in seiner Gewalt hat.

Eindruck
Beate Teresa Hanika nimmt sich in ihrem Jugendroman in einer sehr bewegenden und einfühlsamen Art und Weise einem Tabuthema an, das den Leser fassungslos und berührt zurücklässt.
Die Handlung erzählt von Kindesmissbrauch an einem Mädchen, dass in seiner kindlichen Naivität und Verzweiflung die Trauer um ihre Großmutter verarbeiten muss und sich gleichzeitig nicht imstande sieht, sich gegen ihren Großvater zu wehren, der immer zudringlicher wird.
Dabei erzählt die Autorin in einem derart berührenden und feinfühligen Stil, dass der Leser so behutsam wie es nur geht, an dieses Thema herangeführt wird.
Um dieser Handlung etwas die Schwere zu nehmen und ihr etwas Hoffnung zu geben, erlebt der Leser, wie Malvina sich immer mehr versucht aufzulehnen und sich jemanden anzuvertrauen.

Figuren
Die Figuren sind ausreichend beschrieben und schaffen es, verschiedene Emotionen auszulösen.
Malvina wuchs mir als Protagonistin direkt ans Herz und ihre Rolle fand ich besonders glaubwürdig und dadurch umso schockierender und tragischer.
Auch die Rolle des Großvaters ist sehr eindringlich beschrieben und er vermittelt stets eine bedrohliche und widerliche Atmosphäre.
Die Beschreibung der Familie fand ich dagegen etwas blasser. Ihr Desinteresse und Teilnahmslosigkeit wirkte auf mich eher unglaubwürdig, gleichzeitig lösten sie in mir eine große Wut aus.

Schreibstil
Der Schreibstil der Autorin ist recht bildhaft und sehr fesselnd und bewegend.
Man wird als Leser Seite um Seite vorangetrieben und Beate Teresa Hanika versteht es gekonnt, die jeweilige Atmosphäre zu vermitteln, ohne dabei groß auszuschweifen.
Bedrohliche Situationen werden glaubhaft übertragen, genauso wie hoffnungsvolle Szenen, die immer wieder die Handlung etwas auflockern und dem Leser eine Atempause gönnen.

Fazit
Es gibt Geschichten, die sind so bewegend und mitreißend das es einem fast die Sprache verschlägt, die berühren und nachdenklich zurücklassen.
Geschichten, die unglaublich schwer sind zu beschreiben, weil sie aufwühlen und dabei ihre Spuren hinterlassen.
„Rotkäppchen muss weinen“ erzählt eine schrecklich schockierende und tragische Geschichte, die trotz des dramatischen Themas, vor allem Hoffnung gibt und Mut macht.
Mut dafür, laut um Hilfe zu schreien und sich anzuvertrauen und Hoffnung, gesehen und gehört zu werden.

2 Kommentare zu “Rotkäppchen muss weinen / Beate Teresa Hanika

  1. Hallo Ela,
    das klingt nach einer sehr gekonnten Umsetzung eines schrecklichen Themas. Ich kenne das Buch zwar nicht, aber ich glaube, für viele wird das Leid genau deshalb so groß, eben weil die Familie diese ungeheuerlichen Taten nicht glaubt und sie als erfunden abtut. Von der Autorin habe ich im letzten Jahr eine „Co-Produktion“ mit ihrer Schwester gelesen. „Jenseits des Schattentores“, welches mir auch sehr gut gefiel.
    Liebe Lesegrüße…

    • Hallo Heike,
      den Titel schaue ich mir gleich mal an, danke für den Tipp.
      Ich denke es war auch altersgerecht umgesetzt wobei ich es immer schwer finde, dass wirklich zu beurteilen.
      Liebe Grüße
      Ela

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