Opfer – Lasst uns hier raus / Jesper Wung-Sung


Titel: Opfer – Lasst uns hier raus
Autor: Jesper Wung-Sung
Sprecher: Sven Schelker
Verlag: Hörcompany
ISBN: 978-3-945709-29-0
Meine Gesamtwertung: 4/5 Sterne
Meine Meinung:
Kurzbeschreibung
In einer Dorfschule bricht eine Infektion aus. Die Lehrer versuchen zunächst für Ruhe und Ordnung während der Quarantäne zu sorgen, doch es dauert nicht lange, bis sich die Panik ausbreitet, je mehr Lehrer und Schüler erkranken. Plötzlich wird aus der kleinen Gemeinschaft ein eigener gesellschaftlicher Kosmos, in dem Banden, Anführer, Mitläufer und Oppositionelle um Freundschaft, Freiheit und das blanke Überleben kämpfen.

Meine Meinung
Dieser Jugendroman beschreibt die Geschichte einer ganz gewöhnlichen Schule, in der plötzlich eine Epidemie ausbricht.
Von jetzt auf gleich, erkranken Schüler und Lehrer und die Schule wird mittels einem riesigen Zaun von der Außenwelt abgeschnitten.
Früher oder später eskaliert die Situation, Banden werden gegründet, die Vorräte werden knapp, Freundschaften scheinen zu zerbrechen und es scheint kein Ende der Situation in Sicht.
An sich eine ziemlich spannende Thematik, bei der es sehr interessant war, die Eigendynamik der Schüler zu beobachten, die zeitweise recht erschreckend sein konnte.
Wie bereits erwähnt, fand ich die Entwicklung  fesselnd, obwohl der Handlungsverlauf eher ruhig vor sich hin plätschert.
Teilweise ist er auch vorhersehbar, dann aber wiederum so undurchsichtig, dass mir bis zum Schluss einige offene Fragen blieben.
Hier hätte ich mir bei gewissen Szenen mehr Hintergrund gewünscht, etwas mehr Tiefe im Aufbau, damit mir die ganze Situation etwas realistischer erschienen wäre und der Gänsehautfaktor erhöht worden wäre.
Die Geschichte wird aus der Sicht einer dritten Person erzählt und man könnte meinen, die Handlung wäre tragisch oder dramatisch, doch diese Emotionen blieben bei mir durch die recht kühl wirkende und neutrale Erzählperspektive aus.

Figuren
Die Charaktere sind alle sehr differenziert und detailliert beschrieben. Dem Autor ist es gelungen, gewisse Emotionen mit verschiedenen Personen auszulösen.
Benjamin ist der Protagonist dieser Schule, ein ganz gewöhnlicher Teenager, der für Mädchen schwärmt und sich für andere einsetzt.
Er war mir soweit sympathisch und seine Handlungen wirkten zum größten Teil auf mich glaubwürdig.
Man darf natürlich nicht vergessen, dass es sich um Teenager handelt, die sich dementsprechend auch benehmen. Ich finde diese Darstellung ist Jesper Wung-Sung ganz gut gelungen, wobei es zugegebenermaßen einige Situationen gab, die ich erschreckend und fast schon abstossend fand.

Sprecher

Sven Schelker spielt mit seiner Stimme. Mal vermittelt er die nötigen Emotionen, baut mit seiner Stimme Spannung auf, vertont aber auch die verschiedenen Personen in unterschiedlichen Stimmlagen.
Leider empfand ich allerdings die Interpretation von Liam als weniger gelungen. Sie wirkte zwar unangenehm, wie der Charakter selbst aber war mir persönlich zu übertrieben und aufgesetzt.

Fazit
„Opfer-lasst uns hier raus“ ist ein interessanter Jugendroman mit kleinen Kritikpunkten, der aber durchaus seine Zielgruppe (nämlich Teenager) anspricht. Die Handlung ist weniger dramatisch als vielmehr nüchtern erzählt und ich kann mir vorstellen, dass die Geschichte abschließend dazu anregen kann, sich damit auseinanderzusetzen und zu diskutieren.
Denn bis auf ein paar Ausnahmen ist die beschriebene Situation relativ realistisch und könnte jederzeit so ähnlich eintreten.
Schade das am Ende für mich einige wichtige Fragen ungeklärt blieben.
© Michaela Gutowsky

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