Ich wünschte, ich könnte Dich hassen / Lucy Christopher


Kurzbeschreibung
Du hast mich zuerst gesehen. Auf dem Flughafen, an jenem Tag im August. Dein intensiver Blick, noch nie hat mich jemand so angeschaut. Ich hab dir vertraut. Dann hast du mich entführt. Raus aus meinem Leben, weg von allem, was ich kannte. Hinein ins Nirgendwo, in Sand und Hitze und Dreck und Gefahr. Du hast geglaubt, dass ich mich in dich verliebe. Und dort im Nirgendwo, in Sand und Hitze und Dreck und Gefahr, hab ich mich in dich verliebt. Doch ich wünschte, ich könnte dich hassen. (Quelle: Carlsen Verlag, Klappentext: „Ich wünschte, ich könnte Dich hassen“)

Eindruck
Kann man sich wirklich in seinen Entführer verlieben?
Ihn sympathisch finden?
Oftmals werden diese Empfindungen als Stockholm-Syndrom bezeichnet und dieses Thema ist der Grundstein für Lucy Christophers Jugendroman, der gleichzeitig auch ihr Debütroman ist.
Auf sehr emotionale und einfühlsame Weise lässt die Autorin die sechzehnjährige Protagonistin Gemma in der Du-Perspektive erzählen, mit dem sie ihren Entführer direkt anspricht.
Sie erzählt über die Zeit ihrer Entführung, ihren Erinnerungen und vor allem von ihren Gefühlen.
Zunächst ängstlich, verschreckt und voller Fluchtgedanken, entwickeln sich nach und nach auch andere Gefühle dem Täter gegenüber.
Doch auch der Täter selbst, mit seinen fanatischen aber fast schon nachvollziehbaren Beweggründen ist hier sehr stark beschrieben.
Der Leser erfährt in dieser Geschichte mehr und mehr über seine Gedanken und selbst wenn sie nicht immer logisch erscheinen.
Immer wieder steigt die Spannung ob Gemma eine erfolgreiche Flucht gelingt. Doch auch andere kleine Zwischenfälle können immer wieder mal den Spannungsbogen nach oben schnellen lassen.
So ist die Geschichte bis zur letzten Seite hin fesselnd und lässt sich kaum aus der Hand legen.

Dies liegt unter anderem natürlich an der sehr detaillierten Beschreibung der Personen.
Gemma und auch Ty sind beide sehr ausführlich beschrieben und durchleben so ziemlich jede mögliche Emotion.
Gemma wirkt als Hauptfigur so authentisch und greifbar, dass ich ihre verzweifelte Situation sehr gut nachempfinden konnte.
Doch selbst Ty erschien mir zeitweise sympathisch und anziehend, was fast schon gruselig war.
Noch beeindruckender fand ich die dunklere Seite von ihm, die immer wieder daran erinnerte, dass er nicht ganz so harmlos ist, wie er manchmal scheint.

Lucy Christophers Schreibstil ist sehr bildhaft und fesselnd. Spannende Szenen trieben mich Seite für Seite durch die Geschichte und auch die Schauplatzbeschreibung in der Wüste war sehr beeindruckend.
Es fiel mir ziemlich leicht, mir diese Umgebung mit ihren Tieren und Pflanzen vorzustellen und auch das Haus ließ sich leicht vorstellen.

Fazit
„Ich wünschte, ich könnte Dich hassen“ wurde für mich zu einem richtigen Pageturner und einer emotionalen Achterbahnfahrt. Dieser Debütroman ist also durch und durch gelungen und ich frage mich, warum ich so lange gewartet habe, ihn zu lesen!
Diese Geschichte knistert nicht nur vor Spannung, sondern auch vor Tragik und ja, vielleicht sogar ein klein wenig Romantik.
Zwischenzeitlich war ich hin- und hergerissen doch noch Sympathien für den Entführer zu empfinden, was ich der unheimlich guten Charakterbeschreibung anlaste.
Ich bin sehr gespannt auf die weiteren Bücher der Autorin!

Weitere Informationen zu diesem Buch
Titel: Ich wünschte, ich könnte Dich hassen
Autor: Lucy Christopher
Verlag: Chickenhouse / Carlsen
ISBN: 978-3-551-52008-1
Seitenzahl: 368
Erschienen am: 20.01.2011

8 Kommentare zu “Ich wünschte, ich könnte Dich hassen / Lucy Christopher

  1. Guten Morgen!

    Und schwupps, ist es schon mal auf die Wunschliste gewandert. Eine sehr schöne Rezi, die mir das Buch noch mehr schmackhaft gemacht hat.

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
    Mone

    • Hallo Mone,
      danke das freut mich. Das war sicher keine schlechte Entscheidung 🙂
      Liebe Grüße und auch dir ein schönes Wochenende
      Ela

    • Hi Janna,
      ich fand es richtig genial. Bei solchen Büchern ärger ich mich immer, dass sie ewig lange ungelesen in meinem Regal standen! 🙂
      Liebe Grüße
      Ela

      • Auf der WuLi ist es bereits, hoffe ich baue in den nächsten Monaten meinen SuB, um dann der Buchvöllerei zu fröhnen (= Kein wirkliches Verbot, möchte aber meinen bereits eingezogenen Schätzen mehr Aufmerksamkeit widmen <3

        • Das kann ich sehr gut nachempfinden.
          Ich baue meinen auch grade mächtig ab und widme mich Büchern, die eigentlich immer weiter hinten standen.
          So die ganzen Carlsen-Bücher in den letzten drei Wochen, weil sie wunderbar zur Monatsaufgabe der „Kampf der Verlage-Challenge“ passen.

          • ja, ich find die Challenge klasse und man kann sie alle so schön nebenher laufen lassen.
            Im Fall der „Verlags-challenge“ finde ich es auch schön, dass man sich mehr mit den ungelesenenen Büchern ebschäftigt in dem man sie sich gezielter (je nach Monatsaufgabe) raussucht.

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