Ganz normale Helden / Anthony McCarten

Kurzbeschreibung
Jeff ist in der virtuellen Spielewelt „Life of Lore“ ein Held. Er verdient Geld damit anderen zu helfen und kann seine alltäglichen Probleme wie Trauer, Schule usw. die er in der Realität hat, verdrängen.
Da sein Vater ihn nicht verlieren will, meldet auch er sich in der virtuellen Welt an und lernt, seinen Sohn zu verstehen aber er erfährt auch mehr über sich und seine Familie.

Meinung
Eines vorweg: Scheinbar handelt es sich hier um eine Fortsetzung des Romans „Superhero“. Dies war mir weder bewusst noch hätte ich es beim Hören bemerkt. Die Geschichte an sich kann also meiner Meinung nach auch ohne Vorkenntnisse des ersten Romans gelesen oder gehört werden.
Der Autor Anthony McCarten beschreibt eine Familie, die sich in ihrer Trauer um Jeffs jüngeren Bruder Donny, mehr und mehr verliert und auseinander lebt.
Jeder der Familienmitglieder trauert auf seine eigene Weise und vor allem Jeff scheint sich immer mehr von seinen Eltern zu distanzieren.
Denn nicht nur die Trauer um seinen Bruder quält ihn.
Als Jeff in seiner Verzweiflung verschwindet, macht sich sein Vater auf die Suche nach ihm, und setzt sich mit der Onlinewelt „Life of Lore“ auseinander, mit der sein Sohn sich täglich beschäftigt. Völlig unerfahren im Umgang mit dem Internet, stolpert er dort hinein und was er dabei über sich selbst erfährt, scheint die Familie auf eine weitere harte Probe zu stellen.
Der Autor widmet sich in seiner Geschichte unter anderem Gesellschaftsthemen, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte, um die Handlung nicht zu spoilern.
Auffällig fand ich seine Ausdrucksweise, die recht vulgär erscheint und seine Begeisterung sexuelle Vorlieben sehr offen zu beschreiben.
Das Onlinespiel und auch die restliche Handlungskulisse sind sehr bildhaft beschrieben, allerdings war es mir manchmal etwas zu extrem.
Jeder Spielbefehl in „Life of Lore“ wird sehr ausgiebig dargestellt und das konnte etwas anstrengend sein. Zudem wirkte mir die Beschreibung einer solchen Welt einfach zu negativ.
Dies mag tatsächlich ein Unterschied sein, wenn man die Geschichte hört, statt liest.

Doch auch die Figuren machten mir in dieser Geschichte zu schaffen.
An sich fand ich die Beschreibung der Familienmitglieder sehr interessant aber irgendwie hatte ich das Gefühl, das es in dieser Geschichte nur kaputte Typen gab.
Im Grunde genommen hatten auch alle Nebenfiguren ihr Päckchen zu tragen und wirkten extrem in ihren Handlungen und Denkweisen.
Obwohl es sich hierbei um eine autorisierte aber gekürzte Lesefassung handelt, ließen sich einige Längen nicht verleugnen und so zeigten sich für mich in dieser Geschichte auch einige Schwächen.

Die Sprecher lesen die Geschichte fabelhaft vor.
Vor allem Rufus Beck überzeugte mich in der Rolle von Jim Delpe. Doch nicht nur dem Protagonisten verleiht er seine Stimme sondern allen männlichen Personen in dieser Handlung.
Die Sprecherin Jo Kern übernimmt mit ihrer sehr sinnlichen Stimme die weiblichen Rollen und übertrug vor allem die erotischen Szenen sehr authentisch.
Jedoch wirkte ihre Stimme ab und an fast schon belustigt, was ich in einigen Situationen als etwas unpassend empfand.

Fazit
„Ganz normale Helden“ ist eine sehr ungewöhnliche Geschichte, deren Handlungsidee ich zwar sehr interessant fand, die mich aber in der Umsetzung nicht so richtig überzeugte.
Ich denke, dies lag unter anderem am Schreib- und Erzählstil selbst, den man entweder mag oder eben nicht.
Die Figuren waren mir einfach zu übertrieben und auch der Umgang mit bestimmten Themen war mir persönlich nicht ausgeglichen genug.

Weitere Informationen zum Hörbuch
Titel: Ganz normale Helden
Autor: Anthony McCarten
Sprecher: Rufus Beck & Jo Kern
Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-80329-7
Laufzeit: 8 Std. 48 Min., autorisierte gekürzte Lesefassung,
Erschienen am: 28.08.2012

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