Ein Flüstern in der Nacht / Moya Simons

Kurzbeschreibung
Die letzten Worte, die die zehnjährige Rachel von ihrem Vater hört, bevor die Soldaten ins Judenhaus kommen, lauten „Kein Wort, verstanden?“
Alle werden deportiert nur Rachel bleibt zurück aber sie spricht nicht mehr.
Als der Krieg vorbei ist, begreift Rachel, dass es keine Hoffnung auf ein Wiedersehen mit ihrer Familie gibt. Doch als ein Wunder geschieht, findet Rachel nicht nur ihre Sprache wieder.

Meinung
Moya Simons thematisiert in ihrem Jugendroman die Judenverfolgung und erzählt dabei die Geschichte eines zehnjährigen Mädchens, dem es durch sein Versteck gelingt, der Deportation zu entkommen und dann Unterschlupf bei einer deutschen Familie findet.
Hierbei vermischt die Autorin Fiktion und Tatsachen.
Mit sehr viel Feingefühl nähert sich Moya Simons der Judenverfolgung, beschreibt die verzweifelte Lage der Juden doch auch den Zwiespalt der Deutschen. Sie beschreibt sehr eindringlich die Notlage durch Zwangsrationen und die Angst davor, beim Widerstand entdeckt zu werden.
Mit dem Enkelsohn des deutschen Paares beschreibt die Autorin genau das Gegenteil von Rachel.
Freddie ist ein Junge, der mit Hingabe und voller Eifer an den Führer glaubt, der nicht versteht, warum sich die Großeltern dem Führer widersetzen, und ein jüdisches Mädchen verstecken.
Dieser Zwiespalt bringt eine unterschwellige Spannung mit in die Handlung, denn der Leser ahnt bald wie es Rachels Familie gehen muss und leidet mit der Protagonistin mit.
Durch die Ich-Perspektive der Protagonistin bindet die Autorin den Leser noch enger an Rachel und lässt die Geschichte um einiges persönlicher werden.

Hier zeigt sich auch die recht detaillierte Beschreibung der Charaktere.
Die Teenager in dieser Handlung sind dem Alter entsprechend angepasst, hegen oft naive Gedanken, überraschen dann aber wiederum mit einer Weisheit, die zeigt, dass sie schnell erwachsen werden müssen.
Rachel ist sehr überzeugend dargestellt, ihr Leidensdruck sehr verständlich beschrieben, doch auch alle anderen Figuren wirkten authentisch, nachvollziehbar und besaßen Ecken und Kanten.

Der Schreibstil ist leicht zu lesen und dem Alter entsprechend angepasst mit Gedankensprüngen und Tagebucheinträgen. Dabei benutzt die Autorin eine bildhafte Beschreibung, die es spielend leicht ermöglicht, sich sämtliche Details dieser Geschichte vorzustellen.
Auf den letzten Seiten befindet sich noch eine zeitliche Abfolge der Geschehnisse 1919 – 1949 sowie eine Danksagung der Autorin, in der sie persönlich auf die Entstehung ihrer Geschichte eingeht.

Fazit
„Ein Flüstern in der Nacht“ ist ein bewegender und berührender Jugendroman, der sich auf feinfühlige Art mit diesem sensiblen Thema auseinandersetzt und den Leser mit auf eine Reise zwischen Bangen und Hoffen nimmt.
Sicherlich würde sich diese Geschichte auch gut für den Unterricht eignen.

Weitere Informationen zu diesem Buch
Titel: Ein Flüstern in der Nacht
Autor: Moya Simons
Verlag: cbj
ISBN: 978-3-570-15331-4
Seitenzahl: 304
Erschienen am: 09.12.2013

6 Kommentare zu “Ein Flüstern in der Nacht / Moya Simons

    • Hi Janna,
      man kan ja auch nicht alles lesen und bei manchen Themen ziehe ich dann auch lieber eine Doku im TV vor 🙂
      Liebe GRüße
      Ela

  1. Ein Jugendroman? Hätte ich bei dem Thema jetzt nicht erwartet! Ich bin kein Experte auf dem Gebiet, aber viele Jugendbücher haben diese Thematik noch nicht aufgegriffen, oder?
    Es sind eher Romane für „erwachsene“ Leser.

    • Hallo Christin,
      der Roman wird sogar laut Verlagsseite ab 10 Jahren empfohlen, wobei ich persönlich nicht einschätzen kann, ob er schon etwas für 10 jährige oder 13 jährige ist. 🙂
      Wie oft das Thema gerade im Jugendbereich aufgegriffen wird weiß ich nicht aber umso wichtiger finde ich es.
      Liebe Grüße
      Ela

    • Hallo Mikka,
      eindringlich auf jedenfall, tragisch natürlich bei diesem Thema auch.
      Ich freue mich, dass ich dein Interesse wecken konnte! 🙂
      Liebe Grüße
      Ela

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