Doctor Sleep / Stephen King

Ausgelesen!Titel: Doctor Sleep

Autor: Stephen King

Verlag: Heyne

ISBN: 978-3-453-26855-5

Meine Gesamtwertung: 3/5 Sterne

Meine Meinung:

Nachdem „Shining“ für mich, eins der vielen Meisterwerke von Stephen King ist, war ich wahnsinnig gespannt auf seine Fortsetzung „Doctor Sleep“.
Angelehnt an „Shining“ hatte ich natürlich enorm hohe Erwartungen bezüglich einer gruselnden Atmosphäre und freute mich auch auf die enorme Spannung und einer düsteren Geschichte.
Umso verblüffter war ich, dass ich schon von Beginn an, Probleme mit „Doctor Sleep“ hatte.
Mir war klar das der Protagonist kein Kind mehr ist, trotzdem hatte ich gehofft, mehr auf die Geister der Vergangenheit zu treffen und mich weniger mit seinem Alkoholproblem rumzuschlagen.
Nach 150 Seiten war ich fast soweit das Buch genervt aufzugeben aber irgendetwas hielt mich. Dies lag nicht zuletzt an S. Kings einzigartigen Schreibstil, der es mir ermöglicht sämtliche Charaktere und Ortschaften in meinem Kopf visuell und emotional darzustellen. Entweder ich kann sie absolut nicht leiden, oder aber ich liebe sie.
Nachdem ich etliche Ratschläge bekam, dass das Buch ab Seite 300 besser und vor allem spannender wird, kämpfte ich mich weiter durch. Und ich meine kämpfen!
Kommen wir aber erst mal zu den positiven Aspekten.
•    Der Autor überzeugt wieder mit einzigartigen Charakteren und einer grandiosen Idee, Danny erneut ins Spielfeld zu werfen.
•    Der Leser trifft auf Figuren aus anderen Romanen von S. King bzw. seinem Sohn. (Zumindest eine kleine Erwähnung zu Christmasland konnte ich feststellen).
•    Die Geschichte wird aus 3 verschiedenen Perspektiven erzählt, deren Handlungsstränge sehr interessant dargestellt werden.
•    Der Protagonist Danny bzw. Dan, wie er nun genannt wird, wird sehr authentisch mit seiner Alkoholsucht und den Ängsten um die Vergangenheit dargestellt.
•    Abra ist eine wahnsinnig tolle Protagonistin. Klug und jung aber auch verzweifelt und unheimlich mutig. Sie war mein absoluter Favorit in diesem Buch und schaffte es, mich auf den vielen Seiten an die Geschichte zu binden.
•    Der wahre Knoten ist die dritte Perspektive. Ich hab sie mir als eine Art „Sekte“ vorgestellt. Leider kam ich mit dieser Darstellung nicht so ganz zurecht. Ihr Vorhaben war zwar nachvollziehbar, wirkte auf mich aber dennoch oft zu übertrieben und unglaubwürdig.
•    Der Titel passt absolut zu dieser Geschichte und auch das Nachwort erklärt einiges.
Ihr merkt, es gab also einige Argumente, um am Ball zu bleiben.
Nun aber die negative Kritik:
•    Dannys Alkoholsucht war zwar nachvollziehbar, dennoch war es mir einfach zu viel um ihn und seiner Sucht.
•    Auch wenn es zwischendurch etwas spannend wurde, konnte ich leider so gut wie keine gruselige und beklemmende Atmosphäre wie bei „Shining“ ausmachen. Dies war aber leider meine Voraussetzung für einen Nachfolger!
•    Man ist S. Kings Längen in einem Roman ja gewöhnt, aber hier waren mir die stolzen 700 Seiten definitiv zu viel. Ich denke 200 Seiten weniger mit weniger ausschweifenden und langatmigen Szenen, hätten den Verlauf für mich persönlich, interessanter gemacht.

Fazit:
Doctor Sleep ist ein Roman, der mich mit gemischten Gefühlen zurücklässt. Selten war ich so hin-und hergerissen bei einer Geschichte. Obwohl das Nachwort mich versöhnlich stimmte und auch erklärte, warum diese Geschichte als Fortsetzung so dargestellt wurde, bleibt eine kleine Enttäuschung bei mir zurück. Daher empfehle ich diesen Roman nur bedingt und warne auch vor, dass man es nicht mit Shining vergleichen kann und sollte, wenn man diese Atmosphäre erleben möchte. Doctor Sleep gleicht eher einer ruhigeren Erzählung, die zwar spannend und mystisch werden kann, trotz allem aber die meisten Seiten recht ruhig und fast unblutig verläuft.
© Michaela Gutowsky

13 Kommentare zu “Doctor Sleep / Stephen King

  1. Krass wie weit unsere Meinungen auseinander gehen, man könnte meinen wir hätten verschiedene Bücher gelesen. Ich hab eben noch zu meinem Mann gesagt, es ist durchgehend so spannend und hat so gar keine Längen 🙂

    Ich weiß noch gar nicht, ob ich das so gut wie du in Worte fassen kann was das Buch mit mir gemacht hat.

    Liebe Grüße
    Karin

    • Hi Karin,
      nun das passiert bei uns ja öfter mal das wir Bücher unterschiedlich empfinden? Warst Du das nicht auch die „Joyland“ nicht so dolle fand? Sorry falls ich mich jetzt irre???
      Ich jedenfalls fand auch „joyland“ war eins seiner besten Werke, während andere wiederum die Krise bei diesem Buch bekamen. Bei dem Autor und mir ist es so: entweder er begeistert mich oder aber eben nicht. Love zb. und Arena hab ich abgebrochen, wobei ich „Die Arena“ als Hörbuch und Verfilmung klasse fand. Ich wette auch „Doctor Sleep“ würde mir als Verfilmung gefallen JETZT wo ich den Maßstab nicht mehr so hoch wie bei „Shining“ setzen würde 🙂
      Ich glaube so etwas kann beim Leser passieren, wenn der Leser von einem bis dahin vermuteten Einzelband absolut begeistert ist und dann feststellen muss, dass die Forsetzung eben eine völlig andere als erwartet ist.
      Ich sag ja auch nicht, dass das Buch schlecht war, im Gegenteil! Man sollte nur eben nicht den gleichen Fehler wie ich machen und den Maßstabd so hoch setzen!
      LG Ela

      • Das hast du völlig richtig im Gedächtnis, habe ich bei Seite 77 wegen diesem gejammer der Protagonisten abgebrochen.
        Ich sag ja, ich liebe meist die Bücher, die die King „Fans“ nicht so mögen *g* „Qual“ und „Wahn“ waren meine Highlights.

        Stimmt das hast du natürlich auch vollkommen Recht, die Erwartungshaltung spielt auch immer eine große Rolle. Ich fand ja bei den wenigen Seiten die ich von Shining gelesen hab, den Stil eher mäßig und war dann bei D. Sleep positiv überrascht.

        Eine Verfilmung, das möchte ich mir gar nicht vorstellen, wegen den Toten und den Fliegen und dem Kreisen und… *schüttel* Terentino würd wahrscheinlich einen Splatter daraus machen *g*

        Ich hab das schon richtig verstanden, du hast das Buch ja jetzt auch nicht schlecht gemacht. Nur waren für mich die ganzen Dinge eher positiv, des halb das „Krass“
        Und ich meinte das ehrlich, als ich schrieb ob ich das auch so gut in Worte fassen kann wie du…

        Liebe Grüße

        • Unsinn, dass bekommst Du erst Recht hin 🙂
          An Tarantino hatte ich noch gar nicht gedacht *lol* neeeeee den bitte nicht, mag ja kein Gesplatter *prust*
          und da bei Verfilmungen ja eh immer die Hälfte wegfällt, dürfen auch die Fliegen fehlen *g*
          aber führen wir das man nicht weiter aus, sonst spoilern wir hier noch :/
          Dann bin ich beruhigt wenn es doch nocht verständlich rüber kam 🙂
          LG Ela

  2. Hallo liebe Ela,
    Danke für deine Meinung zu diesem Buch. King wird älter und ruhiger, dafür erzählender. Mich packt dies trotzdem, aber einen Horrorroman darf man wirklich nicht erwarten. 🙂
    LG Chrissie

    • Ich fand ja Joyland auch toll obwohl es ruhiger war 😉
      Aber gerade WEIL es die Forsetzung zu Shining war, hatte ich eben andere Erwartungen 🙂

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