Die Tage, die ich Dir verspreche / Lily Oliver

Titel: Die Tage, die ich Dir verspreche
Autor: Lily Oliver
Verlag: Knaur
ISBN: 978-3-426-51676-8
Meine Meinung:
Kurzbeschreibung
Die junge Gwen wird seit ihrer Herztransplantation von Schuldgefühlen erdrückt. Sie kann keine Lebensfreude empfinden, da sie sich dem Menschen gegenüber schuldig fühlt, der gestorben ist.
So kommt sie auf die verrückte Idee ihr Herz zu verschenken, an einen anderen herzkranken, der es dringend braucht und es dankbar annimmt.
Noah, ein junger Moderator in einem Forum für Herzerkrankungen, hält ihr Angebot für einen Scherz, bis sie plötzlich vor ihm steht.
Es gelingt ihm durch eine große Lüge, ihr das Versprechen abzunehmen, noch ein paar Tage durchzuhalten.
Wenige Tage, in denen Noah es schaffen muss, Gwen zu überzeugen, dass das Leben noch lebenswert ist.

Eindruck
Wie oft lesen wir in verschiedenen Inseraten „Herz zu verschenken“? Doch was, wenn damit nicht wie üblich die Liebe, sondern das Organ gemeint ist? Schon beim Gedanken daran hält man inne.
Mit dieser Frage beschäftigt sich Lily Oliver auf sehr einfühlsame Art und Weise in diesem Roman und schickt damit zwei junge Menschen ins Spielfeld, die beide aus verschiedenen Gründen, nach dem Sinn des Lebens suchen.
Gwen sollte eigentlich dankbar sein, dass ihr Leben durch ein Spenderherz gerettet wurde, doch sie wird von Schuldgefühlen regelrecht erdrückt.
Die Handlung erscheint zunächst schwermütig, was nicht zuletzt an den äußerst depressiven Gedanken von Gwen liegt, und wird durch Foreneinträge vor und nach der Herztransplantation erzählt, die aufzeigen, wieviel Hoffnung in Gwen VOR der Transplantation steckte.
Gleichzeitig ist die Geschichte sehr tiefgehend und regt zum Nachdenken an denn die Autorin bringt dem Leser das Thema Organtransplantation sehr nahe.
Allerdings bleibt die Schwermut nicht durchgehend, da die Erzählperspektive zwischen Noah und Gwen immer wieder wechselt und Lily Oliver durch romantische und herrlich erfrischende Situationen dem Leser genug Raum gibt, um die Geschichte sacken zu lassen und durchzuatmen.
Obwohl mich der Handlungsverlauf aus verschiedenen Gründen sehr berührt hat, konnte mich die Geschichte aber nicht komplett überzeugen. Einige Handlungen beziehungsweise Situationen konnte ich einfach nicht nachvollziehen, dies änderte allerdings nichts daran, dass die Geschichte bis zum Schluß sehr fesselnd blieb und ich den Roman in einem Rutsch durchgelesen habe.

Figuren
Die Personen sind sehr authentisch und greifbar beschrieben.
Vor allem Gwen, die meiner Meinung nach ein recht schwieriger Charakter ist, ist in ihrer Verzweiflung äußerst detailliert gezeichnet. Ihre lebensmüden und von Schuld zerfressenen Gedanken legen sich auf den Leser ab und man kann gar nicht anders als mitfühlen.
Mag sie zunächst vielleicht undankbar erscheinen, legt sich dieses Gefühl wenige Seiten später, sobald man sich mit ihren Gedanken auseinandergesetzt hat.
Auch Noah hat mir sehr gut in seiner Rolle gefallen und wurde ebenfalls sehr detailliert beschrieben.
Er ist ein guter Gegenpart zu Gwen, seine Charakterzüge waren sympathisch und lockerten die Handlung deutlich auf.
Etwas störend fand ich allerdings, dass die Randfiguren, hier insbesondere Gwens Eltern, zu farblos wirkten.

Schreibstil
Lily Oliver besitzt einen sehr gefühlvollen Schreibstil, mit dem sie tragische aber auch humorvolle und romantische Szenen, sehr bildhaft und fesselnd beschreibt. Sie vermag es dem Leser verschiedene Emotionen zu vermitteln und ihn in ihren Bann zu ziehen.

Fazit
„Die Tage, die ich dir verspreche“ ist eine Geschichte fürs Herz im wahrsten Sinne des Wortes. Sie berührt, regt zum Nachdenken an und läßt den Leser lachen und seufzen.
Es ist eine Geschichte, die dazu verleitet, sich mit dem Thema Organspende und Organtransplantation auseinanderzusetzen, ohne durch zuviel wissenschaftliche Details erschlagen zu werden, und die junge und ältere Leser gleichermaßen ansprechen kann.

2 Kommentare zu “Die Tage, die ich Dir verspreche / Lily Oliver

  1. Hi 😀

    Na, das klingt ja wirklich nach einem Buch fürs Herz. Jetzt, wo es kälter wird, hätte ich echt mal wieder Lust auf so etwas!

    Liebe Grüße zum Wochenende!

    Jessi

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