Die Schleife an Stalins Bart / Erika Riemann

Ausgelesen!Titel: Die Schleife an Stalins Bart
Autor: Erika Riemann
Verlag: Hoffmann & Campe
ISBN: 978-3455093773
Meine Gesamtwertung: 4/5 Sterne
Meine Meinung:
Es ist das Jahr 1945. Erika Riemann ist 14 Jahre jung. Sie ist verspielt, kindlich und vorlaut. So wie man es von einem Mädchen in diesem Alter auch erwarten kann. Eines Tages sieht sie ein Plakat von Stalin. Der guckt so traurig, meint sie und malt ihm eine Schleife an den Bart. Dafür kassiert sie 8 Jahre Strafgefangenenlager in Sibirien. Ihre unschuldige Kindheit findet ein schnelles Ende mit all den erwachsenen Frauen in der Zelle. Sie kämpft ums nackte Überleben.
Sie muss von heute auf Morgen schlagartig erwachsen werden. Sie muss hart werden, um nicht zu zerbrechen und egal wie schlimm ihre Folter sein mag, sie steht sie irgendwie durch. Doch kann sie nach ihrer Entlassung je wieder glücklich werden? Wie entwickelt sich ihr Leben danach?
Auch diese Fragen werden in dieser Biographie beantwortet und lassen Erikas Geschichte noch interessanter und schmerzvoller erscheinen.
Erika Riemann berichtet in dieser Biographie oder auch Erzählung, je nachdem wie man sie nennen möchte, über ihre Zeit im Strafgefangenenlager und auch die Zeit danach. Der eigentliche Handlungszeitpunkt sind die Jahre zwischen 1946 bis 1954. Die Autorin erzählt in einer trockenen und holprigen Sprache, so wie man es von einer Erinnerungserzählung gewöhnt ist. Ich fand diesen Schreibstil dem Erlebnis entsprechend gerecht und authentisch. Oft wirkt diese Erzählung trocken und emotionslos doch, wenn man genau drauf achtet und zwischen den Zeilen liest, spürt man den Schmerz und den Schock vor allem aber auch die grenzenlose Wut über die verlorenen Jahre.
Die Autorin brauchte über 50 Jahre um diese Erlebnisse wirklich auf Papier zu bringen.  Obwohl die Erzählung manchmal wirkte, als würde sie ins Stocken geraten, zog mich die Autorin Seite für Seite in ihren Bann und ließ mich viele Emotionen miterleben. Ich war stellenweise wütend und frustriert, geschockt und berührt.

Fazit:
Eigentlich gibt es zu diesem Buch nicht mehr zu sagen, als das bereits oben erwähnte. Es gibt so unendlich viele Erlebnisberichte aus dieser Zeit und ich denke, jede dieser Erzählungen sollte es wert sein, gelesen zu werden. Wer sich also für solche Erfahrungsberichte interessiert, dem kann ich dieses Buch empfehlen. „Die Schleife an Stalins Bart“ wird für mich noch lange in Erinnerung bleiben.
Es gibt übrigens auch einen weiteren Roman von Erika Riemann, „Stalins Bart ist ab: Von Bautzen zum Bundesverdienstkreuz
in dem Sie über ihre schwierige aber auch lohnende Arbeit, sich in der Öffentlichkeit ihren Erinnerungen zu stellen, spricht.
© Michaela Gutowsky

2 Kommentare zu “Die Schleife an Stalins Bart / Erika Riemann

  1. Liebe Michaela, Du hast viele Bücher in Deinem Repertoire, die sehr in mein Leseschema passen, was wiederum bedeutet, dass meine Wunschliste sich verlängert. *zwinker* Ich mag sehr gern Biografien und Erlebnis-Bücher. Das hat auch mit Selbsterlebten zu tun. Generationsromane aus der Kriegs- oder Nachkriegszeit, aber auch aus der Neuzeit sind mein Lieblingsgenre.

    Ich schaue immer gern bei Dir vorbei, auch wenn ich über youtube nicht so aktiv bin. Hab Dich mal abonniert; weiß nicht, ob ich noch drin stehe, aber ich schau auch so bei Dir rein. Übrigens finde ich Deinen Blog einfach nur wunderschön. Und Deine Rezis gefallen mir auch richtig gut; über youtube natürlich auch. Alles Liebe – Jette

    • Liebe Jette,
      da macht man Sonntags morgens das Emailfach auch und findet was???
      Genau, eine so unheimlich liebe Kommentarbenachrichtigung *freu*
      Ganz lieben Dank für Deine lieben Worte, ich bin richtig gerührt 🙂 Ich weiß auch gar nicht unter welchen Namen Du mich auf Youtube abonniert hast? Youtube ist leider etwas unübersichtlich geworden, umso mehr freue ich mich das Du mir auch auf dem Blog folgst 🙂
      Ich grüß Dich ganz lieb und wünsche Dir einen schönen Sonntag,
      Ela

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