Die Autobiographie der Zeit / Lilly Lindner


Titel: Die Autobiographie der Zeit
Autor: Lilly Linder
Illustrationen: Lisa Wöhling
Verlag: Droemer Knaur
ISBN: 978-3-426-30540-9
Meine Meinung:
Kurzbeschreibung
„Ich malte Dünen in den Sand und Löcher in den Boden. Ich zündete Vulkane an und löschte Seen aus. Ich wurde übermütig, als ich den Mut verlor. Ich warf mit Wasser, es wurde zu Hagel. Ich warf mit Sand, er wurde zu Stein. Ich warf eine Feder, da flog ein Vogel davon, und ich weinte, weil ich wusste, es war nur ein Traum“.
(Lilly Linder, Buchrückentext „Die Autobiographie der Zeit“, Droemer Knaur Verlag)

Eindruck
Lilly Lindners Wortgewalt ist mir bereits durch ihre anderen Romane bekannt gewesen und ich war wieder einmal sehr gespannt auf ihr neuestes Werk.
Diesmal lässt sie die vier Mächte der Welt erzählen:
Den Raum namens Kevin, die Beständigkeit mit dem namens David, den Abgrund namens Shay, und die Zeit.
Aufgebaut ist die Handlung mit einem Prolog und Epilog, drei Teilen, vielen kurzen Kapiteln und bunten Illustrationen von Lisa Wöhling.
Zwar befinden sich meiner Meinung nach in diesem Roman nicht mehr ganz so viele Wortspiele wie in ihren anderen Werken, was auch an der geringen Seitenzahl liegen mag, dafür überzeugt sie hier mit einer enormen Tiefe zwischen den Zeilen und regt mit sehr vielen philosophischen Zügen zum Nachdenken an.
Denn sie lässt in der Ich-Perspektive die Zeit erzählen. Von der Erde, der Dummheit der Menschen, von Hoffnung und Hoffnungslosigkeit, Mut und Angst und der Sehnsucht zurück nach „Winter“ zu kehren.
Von der Frustration der Mächte, der Menschheit sinnlos dabei zuzuschauen wie sie sich selbst zugrunde richtet.
Teilweise erschreckend brutal beschrieben, können ihre Worte gleichzeitig mildern und besänftigen.

Figuren
Die vier Mächte werden sehr faszinierend beschrieben. Vor allem Shay, die den Abgrund darstellt, fand ich sehr beeindruckend, da sie verschiedene Emotionen in mir wecken konnte.
Mal fand ich sie abstoßend und schrecklich, doch oft fühlte ich mit ihr mit. So erging es mir allerdings auch mit den anderen drei Mächten.
Das größte Verständnis konnte ich jedoch tatsächlich für die Zeit aufbringen.

Schreibstil
Wer bereits Werke der Autorin kennt, wird mir wahrscheinlich zustimmen wenn ich schreibe, das Lilly Lindners Stil sehr poetisch und kunstvoll ist. Sie spielt mit Worten und Sätzen und kann Szenen wunderschön und grausam zugleich beschreiben.
Zwischen den Zeilen besitzen selbst die kürzesten Passagen Tiefgang.

Fazit:
„Die Autobiographie der Zeit“ hat mich sehr beeindruckt und es ist ziemlich schwer, diesen Eindruck in Worte zu fassen. Es ist eine großartige und weise Erzählung, die trotz der fantasievollen Handlung erschreckend realistisch wirkt und mich mit viel Tiefgang überzeugen konnte.
Poetisch erzählt, regt sie zum Nachdenken an und lässt innehalten um über die Zeit nachzudenken.

2 Kommentare zu “Die Autobiographie der Zeit / Lilly Lindner

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