Die amerikanische Nacht – Marisha Pessl

Gelesenganzklein
Titel:
Die amerikanische Nacht
Autor: Marisha Pessl
Verlag: S. Fischer
ISBN: 978-3100608048
Meine Gesamtwertung: 5/5 Sterne
Meine Meinung:

Um was geht es in dieser Geschichte?
Die 24jährige Ashley, Tochter des mächtigen und besessenen Filmemachers Cordova wird in einer Lagerhalle tot aufgefunden. War es wirklich Selbstmord? Und inwieweit hatte ihr Vater damit zu tun? Denn seine grausamen Filme scheinen nach und nach real zu werden. Der Journalist Scott McGrath versucht das Geheimnis zu lüften und gerät in einen dunklen Abgrund, aus dem es scheinbar kein Entkommen gibt.

Die Handlung
ist sehr abwechslungsreich. Mal spannend, mal unheimlich, mal mysteriös und vor allem unglaublich. Immer umgeben von einer düsteren Atmosphäre. Erzählt wird die Geschichte von Scott McGrath, der scheinbar einen persönlichen Rachefeldzug gegen Cordova startet. Er ist besessen von Cordova, so wie dieser von seinen Filmen und jagt dessen Schatten nach. Überzeugt davon, dass Cordova Schuld an Ashleys Tod ist, versucht er gemeinsam mit 2 Freunden, diesen zu finden und mehr über Ashleys Tod herauszufinden.
Dabei stößt das Trio nicht nur an ihre Grenzen, sie müssen auch ihre eigenen moralischen Bedenken über Board werfen, an das unwirkliche Glauben, sich mit Okkultismus auseinandersetzen und ständig aufpassen, nicht den Verstand zu verlieren.
Es tauchen stets neue Fakten und Fährten auf. Diese sind abgebildet in Form von Zeitungsausschnitten, Internetseiten und vielem mehr. Mich hat das beim Lesen noch mehr angetrieben und neugieriger gemacht. Eine nette Abwechslung, denn mit fast 800 Seiten lässt sich diese Geschichte nicht unbedingt schnell lesen.

Die Figuren
Der Fokus richtet sich zwar auf den McGrath und Cordova und dessen Tochter, aber auch die anderen Figuren sind gut beschrieben und geben ein wenig Einblick in ihr Privatleben. Dabei ist es der Autorin gelungen, dass gerade Cordova und Ashley sehr geheimnisvoll erscheinen und oftmals eine düstere und beklemmende Atmosphäre vermitteln.
Auch Scott McGrath und seine 2 Assistenten sind sehr interessant dargestellt, wobei ich ehrlich gestehen muss, dass mir keine Figur in diesem Roman sympathisch gewesen wäre. Dennoch erschien mir keine der mitspielenden Personen blass, stattdessen ist es Marisha Pessl gelungen fast alle Figuren genauso umfangreich darzustellen wie die Geschichte selbst.

Der Schreibstil
ist sehr flüssig geschrieben und hätte mir einen schnellen Lesefluss ermöglicht, wäre die Handlung nicht so vielseitig und umfangreich gewesen. Marisha Pessl schreibt sehr spannend aber auch mysteriös, dennoch musste ich mich aufgrund der vielen Figuren und Handlungssträngen oft intensiver konzentrieren als bei anderen Geschichten. Brauchte mehr Lesepausen, wollte aber immer weiter lesen. Dies lag vor allem an den zahlreichen verschiedenen Handlungssträngen, die in dieser Geschichte auftauchen, unglaublich erscheinen, aber am Ende ihren Sinn ergeben. Vor allem aber die abgebildeten Fakten machten die Handlung noch interessanter, da ich stets wissen wollte, welches Geheimnis noch aufgedeckt werden würde.

Fazit:
„Die amerikanische Nacht“ ist für mich ein Roman, der sich in keine oder auch in alle möglichen Sparten stecken lässt. Dieser Roman hat von allem etwas. Mal ist es ein Thriller oder Kriminalroman, dann wiederum eine Horrorgeschichte und dann wieder eine Erzählung.
Für mich war die Handlung faszinierend und fesselnd, stets umgeben von einer düsteren, unheimlichen und beklemmenden Atmosphäre, bei der mir so manches Mal ein Schauer über den Rücken lief. Mir ging es oft wie den Figuren, wusste nicht, was ich glauben kann oder soll, folgte so mancher falschen Fährte um dann wiederum festzustellen das ich es längst geahnt habe.
Auch zum Schluss hin habe ich das Gefühl diese Geschichte noch einmal lesen zu müssen, nein zu wollen (!) um sicher zu sein, dass ich wirklich kein Detail übersehen und überlesen habe. Ich bin sicher das ich selbst nach dem dritten Lesen noch so manch neue Information entdecken könnte und sämtliche Ahnungen und Vermutungen in völlig andere Richtungen ausarten würden.
Somit ist „Die amerikanische Nacht“ für mich eine der intensivsten Geschichten, die ich seit Langem gelesen habe und die ich so schnell nicht vergessen kann.
© Michaela Gutowsky

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