Die Allee der verbotenen Fragen / Antonia Michaelis


Titel:
Die Allee der verbotenen Fragen
Autor: Antonia Michaelis
Verlag: Droemer Knaur
ISBN: 978-3-426-65386-9
Meine Meinung:
Kurzbeschreibung
Als Akelei im Spiegelbild eines Schaufensters blickt, erkennt sie, dass sie nicht mehr das junge Mädchen von damals ist, sondern eine pummelige, mittelalte Frau in einem grünen Pastellmantel.
Doch plötzlich erblickt sie in der Spiegelung auch Finn, ihre Sandkastenliebe, der vor 18 Jahren auf mysteriöse Weise aus ihrem Leben verschwand. Sie erkennt ihre letzte Chance auf ein Abenteuer, Liebe und Glück und folgt ihm, ohne nachzudenken und zu wissen, wohin die Reise geht:
In ihre Kindheit, in ihre Erinnerung und in die Allee der verbotenen Fragen.

Eindruck
Ich habe schon einige Romane von Antonia Michaelis gelesen, da mir ihre poetischen und tiefsinnigen Geschichten, die eigentlich auch als moderne Märchen bezeichnet werden könnten, sehr gut gefallen.
Egal wie geheimnisvoll, magisch oder auch fantastisch ihre Romane erscheinen, oft steckt ein großes Stück Realität aus dem normalen Leben in ihnen.
So auch in dieser Handlung, denn hier nimmt sich die Autorin einer Frau im mittleren Alter an, die in einer leidenschaftslosen Ehe lebt und der Erinnerung an das große Glück nachhängt.
Als ihr diese Realität in ihrem Spiegelbild bewusst wird und dann auch noch den Mann zu sehen scheint, in den sie einst so verleibt war, macht sie sich auf die Suche nach ihm und ihrem Glück.
Gekonnt verwebt die Autorin verschiedene Ereignisse und Schicksale zu einer ganzen, großen Geschichte. Dabei bedient sie sich unterhaltsamen Momenten in Form von Dialogen eines mitreisenden Huhns, das sie melancholische Atmosphäre, die dieser Roman mit sich bringt, aufheitert.
Doch auch etwas Spannung ist vorhanden und so bekam der Handlungsverlauf auch leichte Formen eines Krimis.
Die Geschichte geht sehr in die Tiefe, bietet streckenweise philosophische Züge, und obwohl sie sehr fesselnd ist, musste ich mich oft intensiv konzentrieren, um nicht verwirrt zu werden. Sie wird aus zwei verschiedenen Perspektiven erzählt und nicht nur falsche Fährten, sondern auch überraschende Wendungen sorgen dafür, dass auch der Spannungsbogen ein wenig aufrecht gehalten ist.
Auch die Auflösung der Geschichte hat mir gut gefallen, wobei mir zum Schluss eine Frage offenblieb.

Figuren
Antonia Michaelis beschreibt die Personen sehr detailliert und hebt sie durch besondere Eigenschaften sehr hervor.
So ist es die Protagonistin, deren unglückliche Ehe überall in der Realität sein könnte und die aus diesem Alltagstrott endlich ausbrechen will.
Mir gefiel Akelei in dieser Rolle sehr gut, auch wenn nicht all ihre Handlungen für mich logisch erschienen, konnte ich doch viele ihrer Taten nachvollziehen.
Auch die anderen Figuren fand ich sehr gelungen, einige erscheinen geheimnisvoll, andere bedrohlich oder liebenswürdig. Doch allesamt passten in ihre Rollen und fügten sich perfekt in die Geschichte ein.

Schreibstil
Auch in dieser Geschichte verwendet die Autorin einen sehr poetischen und bildhaften Schreibstil.
Viele ihrer Sätze klangen für mich sehr melodisch, nur selten zu aufgesetzt, in diesem Punkt war es für mich die Anrede „allerliebste Akelei“.
Sie schafft einen Spagat zwischen Poesie und Realität, lässt bestimmte Themen völlig gegensätzlich erscheinen in dem sie sich zum Beispiel grausamen Geheimnissen annimmt und ihren Schrecken mildert, dafür aber die Realität oft härter erscheinen lässt.
Bis zum Schluss kann sie eine melancholische, poetische und tiefe beeindruckende Atmosphäre vermitteln, die haften bleibt. Genau das ist es, warum ich von einigen ihrer Romane so begeistert bin.

Fazit
„Die Allee der verbotenen Fragen“ ist ein Roman, der mich wieder voll und ganz in seinen Bann ziehen konnte. Die Geschichte einer verlorenen Jugendliebe gibt ein gut gehütetes Geheimnis frei, das längst vergessen schien, und bietet damit eine facettenreiche Handlung. Vergangenheit und Gegenwart treffen aufeinander, eine große Liebe und dunkle Geheimnisse werden vermischt.
Mir persönlich gefiel die Selbstreflektion der Protagonistin sehr, da sie trotz der vielen mysteriösen und einigen unlogisch wirkenden Momente, glaubhaft erschien. Denn manchmal lässt die Vergangenheit einfach keine Ruhe.
Zum Schluss, nachdem mir eine einzige Frage noch durch den Kopf geht, denke ich: Es ist eine Geschichte, die man akzeptieren muss, wie sie ist.
Entweder man liebt sie oder eben nicht. So ist das mit ihren Romanen und mich konnte sie mit diesem hier erneut in ihren Bann ziehen.
© Michaela Gutowsky

2 Kommentare zu “Die Allee der verbotenen Fragen / Antonia Michaelis

  1. Hi!

    Ich hab ja mittlerweile von der Autorin auch schon einige Bücher gelesen und ich bin davon sehr begeistert bisher! Von dem Buch hatte ich noch gar nichts gehört – das werd ich mir direkt nochmal näher anschauen, das wird sicher auf meiner Wunschliste landen 🙂

    Danke für die tolle Rezi ♥

    Liebste Grüße, Aleshanee

    • Huhu,
      gerne doch 🙂
      Ich bin gespannt ob Du es lesen wirst und ob es Dich genauso begeistern kann wie mich 😉
      Liebe Grüße und einen guten Start in die Woche,
      Ela

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