Der Schatten meines Bruders / Tom Avery

Gelesenganzklein
Titel:
Der Schatten meines Bruders
Autor: Tom Avery
Verlag: Beltz & Gelberg
ISBN: 978-3-407-82049-5
Meine Gesamtwertung: 5/5 Sterne
Meine Meinung:

Um was geht es in diesem Jugendroman?
Nach dem Tod ihres Bruders ist Kaia gefangen in ihrem Schmerz und ihrer Trauer. Nichts ist mehr, wie es war, ihre Welt hat aufgehört sich zu drehen und auch ihre Mutter ist ihr zunächst keine Hilfe.
Nur ein neuer Schüler, stumm und wild, schafft es, zu ihr durchzudringen. Doch gibt es ihn wirklich? Langsam findet sie Vertrauen zu ihrem Freundeskreis und somit ein Stück ins Leben zurück.

Die Handlung
ist mit 150 Seiten eigentlich sehr kurz und sehr schnell gelesen, hat aber ganz viel zu erzählen. Sie ist sehr ergreifend und emotional, gerade wenn man selbst bereits einen geliebten Menschen verloren hat und den Prozess der Trauer kennt. Gleichzeitig ist die Geschichte aber auch sehr berührend und wunderschön, denn der Leser begleitet Kaia Stück für Stück durch den Trauerprozess und erlebt, wie sie sich aus ihrer Schockstarre befreit und den Tod ihres Bruder lernt, zu verarbeiten.
Hierbei legt sich der Fokus eben nicht nur auf das Thema Trauer, sondern auch Freundschaft.
Kaia beschreibt diesen Prozess aus ihrer eigenen Sicht, wie ein Buch. Jedes Kapitel ist unterteilt in Lebensregeln, insgesamt 10 an der Zahl.
Diese 10 Lebensregeln sind Erfahrungen, die sie macht, in ihrer Schule, mit ihrer Mutter und auch ihren Freunden die verzweifelt versuchen ihre Schutzmauer zu durchbrechen.

Die Figuren
Kaia hat mir als Protagonistin sehr gut gefallen, denn ihre Emotionen waren für mich sehr glaubwürdig und nachvollziehbar dargestellt. Ihre Trauer, der Schmerz, die Frustration und Verzweiflung, all das spiegelte vielleicht sogar ein Stück von mir selbst wider.
Auch die anderen Personen in ihrer Umgebung waren ausreichend gut beschrieben. Es ist logisch das auf so wenigen Seiten die weiteren Figuren eher angerissen werden, dennoch reichte die Beschreibung für die wichtigsten Personen in dieser Handlung völlig aus.
Die Mutter, die in ihrem eigenen Schmerz zu ertrinken scheint, weckte zum Beispiel ebenfalls verschiedene Gefühle in mir.
Der stumme wilde Junge gefiel mir mit seiner Rolle auch sehr gut. Er war mysteriös und undurchschaubar, unheimlich und doch zunächst der wichtigste Freund in Kaias Leben.

Der Schreibstil
ist sehr gefühlvoll und streckenweise sogar ein wenig poetisch und spricht aufgrund der Thematik jugendliche aber auch erwachsene Leser an. Ich konnte mich durch die Geschichte tragen lassen, hatte zu keiner Zeit das Gefühl sie wäre langatmig oder schwer zu lesen. Im Gegenteil, ich sog die Handlung förmlich auf und war begeistert über die Intensität, mit der der Autor die Geschichte von Kaia beschreibt.

Fazit:
Weniger ist oft mehr und genau diese Aussage beschreibt meine abschließende Meinung zu „Der Schatten meines Bruders“. Dieser Debütroman hat auf so wenigen Seiten so unheimlich viel zu erzählen und ist für mich selbst ein wahres Leseerlebnis in diesem Jahr geworden. An vielen Stellen habe ich mich selbst wiedererkannt, denn auch ich war erstarrt und erfroren, so wie Kaia es beschreibt. Somit ist diese wunderschöne aber auch traurige Geschichte, ein Stück weit eine Hilfe, den Weg des Trauerprozesses kennenzulernen. Für den der einen schmerzvollen Verlust erlitten hat aber auch denjenigen, der jemanden kennt der trauert. Dabei ist es völlig egal, ob es sich um einen jugendlichen oder älteren Leser handelt, denn beide kann er definitiv ansprechen.
© Michaela Gutowsky

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