Der Junge, der mit dem Herzen sah / Virginia MacGregor

hörbuchrezik
Titel:
Der Junge, der mit dem Herzen sah
Autor: Virginia MacGregor
Sprecher: Christian Baumann
Verlag: Audio media
ISBN: 978-3-95639-015-9
Meine Gesamtwertung: 4/5 Sterne
Meine Meinung:
Kurzbeschreibung
Der junge Milo, der an einer Augenkrankheit leidet, an der er irgendwann vollständig erblinden wird, sieht die Welt wie durch ein Nadelöhr. Dadurch nimmt er die Umgebung aber aufmerksamer wahr als andere Menschen und bemerkt Dinge, die andere so nicht wahrnehmen. Auch im Altersheim, in dem seine Urgroßmutter ziehen muss, fallen ihm Dinge auf. Seltsame Vorgänge, die ihn beunruhigen. Die Erwachsenen scheint es nicht zu interessieren und so versucht er, gemeinsam mit dem Koch Tripi und seinem Meerschweinchen Hamlet, den Dingen auf den Grund zu gehen und seine Urgroßmutter zu retten.

Eindruck
Virginia MacGregor erzählt auf gefühlvolle Weise von dem kleinen Milo, der an Retinitis pigmentosa leidet und dem bewusst ist, das er bald erblinden wird.
Dies steht jedoch meines Erachtens gar nicht im Vordergrund der Geschichte und wird nur geringfügig thematisiert. Viel mehr konzentriert sich die Geschichte auf die Demenz seiner Urgroßmutter, dem Zustand im Altersheim und die familiären Konflikte nach der Trennung seines Vaters.
Die Geschichte beginnt ein Jahr nach dem Auszug seines Vaters, als die Urgroßmutter durch ihre Demenz nicht mehr bei Milo und seiner Mutter wohnen kann.
Milo leidet extrem unter diesen Trennungen und durch seine sensible Art, bemerkt er, dass seine Urgroßmutter dort nicht gut aufgehoben zu sein scheint.
Als ihn aber dann niemand ernst nimmt, beginnt für ihn ein großes Abenteuer, das teils spannend, teils tragisch und zwischendurch zwar überzogen aber auch amüsant ist.

Figuren
Besonders die Beschreibung der Figuren finde ich sehr gelungen.
Ob es sich um die verwirrte Urgroßmutter handelt, die immer wieder ihre klaren Momente erlebt, Milo, der enorm unter der Trennung leidet, der sich einsam fühlt und auch eifersüchtig werden kann oder auch zum Beispiel um die Mutter, die überfordert zu sein scheint, sie alle wirkten tief genug beschrieben um sich mit ihnen auch im Nachhinein auseinanderzusetzen.
Doch besonders Milo war einfühlsam und vor allem glaubwürdig beschrieben. Ich nahm ihm seine Zerrissenheit ab und bis auf kleinere Szenen, kam er für mich absolut authentisch herüber.

Sprecher
Christian Baumann vertont diese Geschichte einfach perfekt. Er besitzt eine recht ruhige Stimme, die aber gekonnt die verschiedenen Emotionen überträgt und somit die Geschichte noch spannender macht und den Hörer in seinen Bann ziehen kann.
Ob er den kleinen Milo darstellt, der auch mal richtig wütend und verzweifelt sein kann oder auch den Koch Tripi mit seinem Akzent, er versteht es, die Personen so verschieden zu transportieren, dass es ein leichtes ist, sie während des Dialoges zu unterscheiden.

Spieldauer
Mit ca. 371 Minuten handelt es sich um eine gekürzte Lesung.
Mir persönlich fielen die gekürzten Stellen nicht auf und auch die Länge war völlig ausreichend, da ich doch zum letzten Drittel hin das Gefühl hatte, die Geschichte könnte sich etwas in die Länge ziehen.

Fazit
„Der Junge, der mit dem Herzen sah“, lässt mit folgenden Worten schließen:
Wenn Kinder mit dem Herzen sehen, sollten Erwachsene mit dem Herzen hören!
Es ist eine wunderbare, einfühlsame Geschichte, die mich zum Nachdenken anregte, zum Lachen und zum Kopfschütteln brachte, aber auch Mitgefühl in mir weckte.
© Michaela Gutowsky

2 Kommentare zu “Der Junge, der mit dem Herzen sah / Virginia MacGregor

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