Der Junge auf dem Berg / John Boyne

 

Kurzbeschreibung
Nachdem Pierrot zur Waise wird, muss er zu seiner Tante ziehen, die ihn einem deutschen Haushalt dient.
Der 2. Weltkrieg steht vor der Tür und es handelt sich bei dem Haushalt um die Sommerresidenz von Adolf Hitler.
Pierrot verwandelt sich mit der Zeit in einen Nazi, der nicht nur seinen Freund, sondern auch seine Tante verrät.

Eindruck
John Boyne erzählt in diesem Roman die tragische und sehr bewegende Geschichte von Pierrot, der nach dem Tod seiner Eltern im Berghof aufwächst und in Adolf Hitler eine Art Vaterfigur sieht.
Er vergöttert den Führer, schaut zu ihm auf und lässt sich mehr und mehr von den falschen Idealen des Nationalsozialismus locken.
Hautnah erlebt der Zuhörer diese Entwicklung und wird so zum direkten Beobachter einer unglaublich dramatischen Geschichte.
Zunächst sind es immer wieder leise versteckte Anspielungen, die die Richtung vorgeben und den Zuhörer ahnen lassen, welchen Weg diese Handlung nehmen wird.
Es ist eine emotionale Achterbahnfahrt, bei der man unwillkürlich hin- und hergerissen ist, den Protagonisten zu verurteilen und dennoch mit ihm mitzufühlen.
Unaufhaltsam sieht man die Welle der Konsequenzen auf ihn zurollen und weiß, es kann einfach nicht gut ausgehen.
Musikalische Untermalung kündigen neue Kapitel an und die Sprecher Boris Aljinovic und Roman Fuhrmann tragen diese Geschichte mit sehr viel Feingefühl vor.
Es gelingt ihnen, bedrohliche Szenen spürbar zu betonen und schaffen somit eine sehr intensive Atmosphäre, die diesen Roman noch lebendiger werden lassen.
Genau das bringt einen zusätzlichen Schauer ein, denn der Erzählstil an sich, der sehr in die Tiefe geht, ist schon ziemlich detailliert und bildhaft.

Dies gilt auch für die Beschreibung des Handlungsortes.
Ich kenne die Umgebung des Obersalzbergs ein wenig, aber selbst wenn man sie nicht kennt, kann man sich dank dieser bildhaften Beschreibung die Zeit und den Ort sehr gut vorstellen.
Ähnlich ging es mir mit den Figuren, deren Darstellung meiner Meinung nach eine absolute Glanzleistung ist.
Sie sind alle sehr detailliert beschrieben, sodass man ziemlich schnell ahnt, wie berechenbar oder auch unberechenbar diese sind.
Pierrot, die Hauptfigur hat sehr viele Gedanken in mir auslösen können.
Auf der einen Seite ist er ein unschuldiges, naives Kind, dass plötzlich Waise wird und sich dann zu einem skrupellosen Nazi entwickelt. Ihm scheint zumindest anfangs nicht bewusst zu sein, in welche Schwierigkeiten er gerät und will doch im Grunde genommen alles richtig machen.
Ein guter Junge sein, ein Soldat wie sein Vater!
So schwankte ich zwischen Mitgefühl und völligem Entsetzen.
Auch Adolf Hitler wird hier sehr eindringlich beschrieben, was dieser ganzen Handlung ein noch viel größeres Grauen verleiht.
Doch auch die Nebenfiguren sind sehr bildhaft gezeichnet und können unterschiedliche Gefühle auslösen.
So entsteht in dieser Handlung eine Art Sogwirkung, die bis zum Schluss erhalten bleibt, und trotz dieser Dramatik und dem ernstzunehmenden Hintergrund, bis zur letzten Minuten fesseln kann.

Fazit
„Der Junge auf dem Berg“ ist eine Geschichte, die man so schnell nicht mehr vergisst, weil sie einen nicht loslässt.
Selten beschäftigt mich eine Handlung dermaßen intensiv und lange, lässt mich nachdenklich zurück, mit dem Gefühl, dieses ganze Drama „live“ miterlebt zu haben.
Schon „Der Junge mit dem gestreiften Pyjama“ hat mich sehr beeindruckt aber mit diesem Roman hier, konnte John Boyne diesen Eindruck noch mal toppen!

Weitere Informationen zu diesem Hörbuch
Titel: Der Junge auf dem Berg
Autor: John Boyne
Sprecher: Boris Aljinovic, Romanus Fuhrmann
Verlag: Igel Records
ISBN: 978-3-7313-1164-5
Laufzeit: ungekürzte Lesung, 6 Std. 27 Min.
Erschienen am: 21.08.2017

6 Gedanken zu „Der Junge auf dem Berg / John Boyne

  • 27. März 2018 um 8:03
    Permalink

    Das war tatsächlich ein Buch, das eine Masse an Gefühlen ausgelöst hat. Vor allem Pierrot gegenüber wusste ich nie so genau, was ich fühlen soll. Ich war hin- und hergerissen, weil er es als Kind nicht besser wissen konnte, aber aufgrund seiner Erfahrungen besser wissen müsste. Ich fand es erschreckend, was aus ihm geworden ist. Erzählerisch gefiel mir das Buch auch gut, wobei es in meinen Augen sind paar kleine unpassende Momente gab, die für mich keinen Sinn ergaben bzw. unrealistisch wirkten. Daher hat das Buch umgesäumten schlechter angeschnitten, als „Der Junge im gestreiften Pyjama“.
    Werde dich aber auf jeden Fall mal unter meiner Rezension verlinken.

    Antwort
    • 27. März 2018 um 8:15
      Permalink

      Huhu,
      danke, da freue ich mich.
      Ja, Pierrot löste wirklich eine Achterbahn an Emotionen aus die deinen Gedanken sehr ähneln.
      Kennst Du auch „Haus der Geister“ von ihm? Ich finde, er hat wirklich einen ganz besonderen Erzählstil/Schreibstil.
      Liebe Grüße
      Ela

      Antwort
  • 26. März 2018 um 12:50
    Permalink

    Liebe Ela,
    ich freue mich, dass du das Buch als Hörbuch genossen hast und es dir auch so gut gefallen hat wie mir! Ich finde das Buch als Hörbuch sogar noch eindringlicher, als wenn ich es selbst gelesen hätte. Gerade die musikalische Untermalung sowie die beiden grandiosen Sprecher machen diese grauenvolle Geschichte noch spürbar düsterer und bildhafter.
    Bei so einem Buch freue ich mich sehr, dass ich Hörbücher liebe, denn es gibt Geschichten, die sind für dieses Format einfach gemacht. Ein Buch, das ich lange nicht vergessen werde!
    GlG vom monerl

    Antwort
    • 26. März 2018 um 18:28
      Permalink

      Hi Monerl,
      stimmt, manche Geschichte sind als Hörbuch noch viel intensiver.
      Ich werde diese Handlung auch lange noch in Erinnerung behalten, da bin ich mir sicher.
      Nun konnte mich John Boyne also zum dritten Mal begeistern. Davor waren es „Haus der Geister“ und „Der Junge im gestreiften Pyjama“.
      Kennst Du auch noch andere Werke von ihm oder war dies das einzige? 🙂
      Liebe Grüße
      Ela

      Antwort
      • 27. März 2018 um 12:52
        Permalink

        Ich kenne nur noch „Der Junge im gestreifen Pyjama“. Von dem anderen habe ich bisher noch nichts gehört. Müsste ich mal nach schauen. Die Verfilmung des Jungen fand ich auch grandios. Ich war sehr berührt und habe mich bisher nicht getraut, ihn nochmals anzuschauen. Er liegt als DVD zu Hause. Irgenendwann vielleicht mal… 🙂
        GlG, monerl

        Antwort
        • 27. März 2018 um 15:51
          Permalink

          Den Film hatte ich auch gesehen aber man muss ihn auch verarbeiten können. daher verstehe ich, wenn Du erst einmal zögerst, ihn erneut anzuschauen.

          Antwort

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