Das Nest / Cynthia D’Aprix Sweeney

Kurzbeschreibung
Die Geschwister Leo, Bea, Melody und Jack Plumb sind in den Vierzigern und stehen mitten im Leben.
Sie alle wissen, dass sie eines Tages eine Menge Geld erben werden, was sie auch, zu Zeiten der Finanzkrise in New York, sehr gut brauchen können. Doch kurz vor der Auszahlung verwendet ihre Mutter das Geld um Leo aus einer üblen Notlage zu befreien.
Unfreiwillig wiedervereint müssen sie die Geschwister ihrem alten Groll stellen und vor allem überlegen, wie sie das fehlende Geld bekommen.

Eindruck
Diese Geschichte zeigt, dass Familienromane auch mal völlig anders ausarten können, als anfangs gedacht.
Die Autorin beschreibt in ihrer Handlung eine Familie, die es überall auf dieser Welt geben könnte und bei der jedes Familienmitglied sein eigenes Süppchen kocht.
Von dem Zusammenhalt, den es einst in der Kindheit gab, scheint nichts mehr von übrig zu sein.
Mal bitterböse und sarkastisch, mal traurig und mal amüsant, mal liebevoll und warmherzig, werden die einzelnen Geschwister der Familie Plumb und ihre Partner beschrieben, und mit fast alltäglichen aber sehr ernsten, wenn auch aktuelleren Problemen und Themen konfrontiert.
Vor allem der nach außen sichtbare Erfolgsdruck ist in dieser Handlung sehr präsent.
Mag die Sprache zuerst recht grob und ordinär erscheinen und die Handlung zunächst etwas überzogen wirken, so gewinnt die Geschichte mehr und mehr an Tiefe und überzeugt mit dramatischen und überraschenden Wendungen.
Doch trotz des recht tragischen Verlaufs gibt es genügend unterhaltsame Momente, um immer wieder über die einzelnen Geschwister und anderen Figuren zu schmunzeln und mit ihnen mitzufühlen.
Und am Ende hallt diese Geschichte noch lange nach und lässt die Gedanken bei einzelnen Personen verweilen.
Denn das Leben ist manchmal gar nicht so einfach mit- oder ohne einander und es stellt sich die Frage, ob der finanzielle Aspekt tatsächlich alles im Leben ist, was zählt.

Figuren
Die Beschreibung der Charaktere ist fabelhaft gelungen.
Von durchtrieben bis warmherzig, gerissen und egoistisch, werden hier sämtliche Eigenschaften derart lebhaft aufgeführt, dass man das Gefühl bekommt, einzelne Personen zu kennen, die sämtliche Emotionen in einem Selbst, auslösen können.
„Stephanie“, „Walt“ und „Bea“ traten jedoch am stärksten in der Charakterbeschreibung hervor.
Diese Drei waren mir auch am sympathischsten und vor allem ihre Entwicklung interessierte mich ganz besonders.

Sprecher
Johann von Bülow hat diese Geschichte wunderbar vertont. Er verfügt über ein ruhiges Sprachtempo, versteht es gekonnt verschiedene Emotionen unterschiedlich zu betonen und den Personen noch mehr Tiefe zu verleihen.
Ich empfand seine Stimme als sehr angenehm und als zusätzliches Highlight in diesem Hörbuch.

Fazit
„Das Nest“ ist ein sehr interessanter Familienroman, der einer bitterbösen Komödie gleicht und der von allem etwas zu bieten hat.
Tragik, Unterhaltung, Liebe und Spannung, all das findet sich in dieser außergewöhnlichen Geschichte wieder. Ich würde behaupten, dieser Debütroman ist der Autorin richtig gut gelungen und ich bin äußerst gespannt, was wir in Zukunft noch von ihr lesen oder hören werden.
Ich hätte auch nichts gegen eine Fortsetzung mit der Familie Plumb einzuwenden!

Weitere Infos zum Hörbuch
Titel: Das Nest
Autor: Cynthia D’Aprix Sweeney
Sprecher: Johann von Bülow
Verlag: Der Audio Verlag
ISBN: 978-3-86231-825-4
Laufzeit: 11 h, 59 Min, ungekürzte Fassung
Erschienen: 29.10.2016

2 Kommentare zu “Das Nest / Cynthia D’Aprix Sweeney

    • Hallo Ingrid,
      wahrscheinlich ist das der Vorteil eines Hörbuches. Denn dort wertet der Sprecher, in dem Fall Johann von Bülow, die Geschichte zusätzlich auf.
      Wer weiß ob ich es auch so empfunden hätte wenn ich es gelesen hätte?
      Mir persönlich gefiel vor allem die Charakterauswahl.
      Liebe Grüße
      Ela

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