Bis unter die Haut / Julia Hoban


Kurzbeschreibung
Seit Willows Eltern ein halbes Jahr zuvor bei einem Autounfall ums Leben kamen, erstickt Willow an Schuldgefühlen, denn sie selbst saß am Steuer.
Um mit den Schuldgefühlen fertig zu werden, fügt sie sich schlimme Verletzungen zu in dem sie sich ritzt.
Doch dann lernt sie Guy kennen, der hinter ihr Geheimnis kommt und ihr hilft, sich selbst zu vergeben und den Schmerz zu ertragen.

Meinung
Julia Hoban nimmt sich in ihrem Jugendroman sehr sensiblen Themen an. Zum einen ist Trauer und Verlust der Hauptbestandteil ihrer Geschichte aber auch das Selbstverletzen mit Rasierklingen, um sich selbst zu bestrafen und den inneren Druck der Schuldgefühle loszuwerden.
Denn das ist es, was ihre Protagonistin fühlt. Sie wird erdrückt von Schuldgefühlen und Selbstvorwürfen und schafft es nicht, sich selbst zu verzeihen.
Die Autorin geht sehr einfühlsam aber gleichzeitig auch schonungslos offen und ehrlich mit diesem Thema um.
Sie beschreibt sehr intensiv, was in Willow vorgeht, was sie fühlt, wenn das Blut fließt und wie verzweifelt und einsam sie sich vorkommt.
Dem Leser wird schnell bewusst, dass die Protagonistin immer tiefer in diesen Strudel gerät und sich selbst darin verliert.
Dadurch baut sich ein Spannungsbogen auf und die Dramatik steigert sich kontinuierlich, bis man es fast nicht mehr erträgt, denn man fürchtet ununterbrochen, das die Situation eskaliert.
Durch die Bekanntschaft mit Guy mildert Julia Hoban aber den Handlungsverlauf etwas ab, lässt ihn zwischenzeitlich etwas ruhiger werden und romantisch erscheinen. So gönnt sie dem Leser eine Pause.
Obwohl mir dieser romantische Teil gefiel, war es mir für dieses sensible Thema schon ein bisschen zu viel rosarote Brille.

Hier machte sich meines Erachtens auch die wunderbare Beschreibung der Charaktere bemerkbar.
Denn während ich mit Willow litt, sie mich oft schockierte, und ich sie am liebsten packen und schütteln wollte, um sie an den Haaren zum nächsten Psychiater zu schleifen, litt ich auch mit Guy.
Konnte aber ebenso mit ihm lachen, wütend werden und verzweifeln.
Ähnlich ging es mir mit anderen Figuren die ebenfalls immer wieder präsent und wichtig für diese Handlung werden.

Die Atmosphäre empfand ich bis zum Schluss bewegend und beklemmend.
Dies liegt natürlich überwiegend am Schreibstil der Autorin. Sie baut immer wieder tragische Momente ein, steigert so die Dramatik und die Spannung.
Ihre Beschreibung ist sehr bildhaft also auch blutig und sehr detailliert und es war nicht immer leicht, die beschriebenen Szenen zu ertragen, wenn Willow mal wieder zur Rasierklinge griff.
Doch auch unterhaltsame witzige Szenen finden sich immer wieder mal mit ein und gönnen eine Atempause von der schweren Kost.

Fazit
„Bis unter die Haut“ ist ein aufwühlender und sehr bewegender Jugendroman, der tatsächlich unter die Haut geht.
Das Thema Selbstverletzendes Verhalten wurde hier sehr eindringlich und schonungslos ehrlich beschrieben und daher sollte der Leser, egal ob jugendlich oder älter, mit diesem Thema umgehen können.
Etwas schade fand ich, dass zum Schluss ein Nachwort fehlte, mit Webadressen zu diesem Thema oder eben auch Informationen zu Therapiemöglichkeiten.

Weitere Informationen zu diesem Buch
Titel: Bis unter die Haut
Autor: Julia Hoban
Verlag: cbt
ISBN: 978-3570308103
Seitenzahl: 352
Erschienen am: 09.04.2012

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