Bäume reisen nachts / Aude Le Corff

Titel: Bäume reisen nachts
Autor: Aude le Corff
Verlag: Suhrkamp Insel
ISBN: 978-3-458-36019-3
Mein Eindruck:
Kurzbeschreibung
Die Mutter der achtjährigen Manon ist vor Monaten verschwunden und seitdem verbringt das kleine Mädchen seine Nachmittage alleine im Garten nur, um nicht an diesen Tag denken zu müssen. Weder der Vater noch die Tante scheinen das Kind trösten zu können. Doch eines Tages erweicht sie Anatoles Herz, ein mürrischer alter Mann der einst Kinder unterrichtete und sich seit Jahren von ihnen fernhält.
Sie werden Freunde und lesen gemeinsam aus „Der kleine Prinz“.
Als eines Tages Briefe von Manons Mutter eintreffen, reisen sie gemeinsam mit dem Vater und der Tante zu ihr.

Eindruck
Aude Le Corff erzählt auf eine recht philosophische Weise eine Geschichte über Verlust, Trennungen und Einsamkeit. Dabei lehnt sie sich an den Klassiker „Der kleine Prinz“ an und baut diesen mit in die Geschichte mit ein.
Sehr gefühlvoll zeichnet sie die Freundschaft eines kleinen sehr liebenswerten Mädchens und einem alten störrischen Mann, der eigentlich nicht weniger liebenswert ist.
In Anlehnung des kleinen Prinzen verarbeiten beide ihren Schmerz und ihre Trauer und werden dadurch zu ungewöhnlichen Freunden.
Manons Einsamkeit ist durch die beschriebene Verzweiflung des Vaters und der Tante sehr berührend. Mit viel Tiefe zwischen den Zeilen widmet sich der Autor auch anderen sehr ernsten Themen, auf die ich allerdings nicht näher eingehen kann, ohne zu viel von der Handlung zu verraten.
Es gibt ein paar überraschende Wendungen und der eigentliche Erzählstrang rückt nach und nach in den Hintergrund. Trotz des erwähnten Tiefgangs hatte ich das Gefühl, die Autorin verliert sich vor allem im letzten Drittel an zu vielen Details, was vielleicht aber auch der geringen Seitenzahl liegen kann.

Figuren
Manon und Anatole sind an sich sehr gut ausgearbeitet und konnten mich beide in ihren Rollen überzeugen.
Vor allem Anatole fand ich sehr gelungen und glaubwürdig dargestellt. Ihm nahm ich seinen eigenwilligen Charakter und das dahinter verborgene Schicksal jederzeit ab.
Die Nebenfiguren, hier insbesondere den Vater und die Tante, fand ich dagegen als sehr schwierig beschrieben. Insbesondere der Vater bekam mir im letzten Drittel zu viel Raum und wurde mir immer unsympathischer.

Schreibstil
Der Schreibstil ist sehr poetisch und bildhaft, enthält reichlich Philosophie und entwickelt Tiefgang zwischen den Zeilen.
Er ermöglichte einen leichten Lesefluss und war auch recht fesselnd.

Fazit
„Bäume reisen nachts“ ist eine eigenwillige aber wunderschöne Geschichte, die wie ein modernes und philosophisches Märchen wirkt. Verzeiht man ihr die kleinen Schwächen und kann ein wenig über den Tellerrand hinausschauen, wird man mit einer wunderbaren, außergewöhnlichen und berührenden Erzählung belohnt.

2 Kommentare zu “Bäume reisen nachts / Aude Le Corff

    • Huhu,
      ich schau gleich mal in deine Rezi rein 🙂
      Es ist wirklich etwas besonderes und hebt sich auch ein wenig von dem ab was ich sonst gewöhnlich so lese 🙂
      Liebe Grüße
      Ela

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