Auerhaus / Bov Bjerg

Kurzbeschreibung
Sechs Freunde und ein Versprechen. Zusammen gründen sie eine Schüler-WG „Das Auerhaus“.
Sie wollen gemeinsam ihr Leben retten aber vor allem das von Frieder. Denn der sieht scheinbar keinen Grund, warum er überhaupt weiterleben sollte.

Meinung
Selbstmordgedanken, Perspektivlosigkeit, Zukunftsängste!
Freundschaft, Zusammenhalt und jugendliche Naivität. All dies fällt mir spontan ein, wenn ich versuchen möchte „Das Auerhaus“ zu beschreiben.
Denn auf eine radikale Weise wird man genau damit in dieser Geschichte konfrontiert. Mit sechs Freunden, die keine sind oder erst werden müssen, gerade 18 Jahre alt geworden, in den 80er Jahren. Die einander versuchen wollen zu retten und sich damit vielleicht sogar mehr und mehr ins Unglück stürzen.
Sechs junge Erwachsene, die frei sein wollen mit ihren Gedanken, keine Verantwortung fürs Leben übernehmen wollen, sich von Zwängen befreien, um offen für neue Möglichkeiten zu sein.
Die aber nicht einfach so kommen ohne das man selbst das Leben in die Hand nimmt.
All das kann man nun vorwerfen, aber eines muss man ihnen zugestehen. Sie halten zusammen und genau dieser Zusammenhalt faszinierte, fesselte und trieb mich weiterhin durch die Geschichte.
Es gab etliche Momente, in denen ich die Geschichte als völlig an den Haaren herbeigezogen fand, mich aber gleichzeitig in bestimmten Ansichten wiedererkannte, nämlich dieses „Erwachsen sein wollen“, aber dem nicht gewachsen sein!
Der Roman thematisiert Drogen, Kriminalität und auch Depressionen, schön verhüllt in der jungen naiven Ummantelung der sechs Freunde, die alt genug sein sollten, um richtig oder falsch zu entscheiden.
Und doch, nimmt man ihnen oft ab, dass sie es nicht besser konnten.
Erzählt wird die Geschichte von Höppner, oft begleitet durch ironische und sarkastische Dialoge, die zwischendurch unterhaltsam waren, jedoch meine Meinung über, die sechs nicht ändern konnten.
Auch nicht den Zwiespalt, den ich empfand. Auf der einen Seite besitzt diese Geschichte sehr viel Tiefe, auf der anderen Seite wird zum Beispiel Höppners Stiefvater als „F2M2“ sehr kindlich bezeichnet. Dies passte für mich aber nicht zu einem 18 Jahre jungen Erwachsenen!
Es waren kleine Dinge, die mir auffielen, mit denen ich mich auseinandersetze. Genau das spricht für die Geschichte. Denn ich konnte gar nicht anders als immer weiter zuhören, mich voll und ganz auf die Geschichte einzulassen, um das Drama zu verfolgen.

Charaktere
Ich kann nicht behaupten, dass mir auch nur eine der Figuren sympathisch gewesen wäre. Im Gegenteil, vor allem die Sechs, schafften es, mich immer wieder zu schockieren und zu verärgern.
Dies wiederum zeigt, dass vor allem die Hauptfiguren sehr detailliert und tief genug ausgeschmückt sind.
Wie oben bereits erwähnt, störte mich ein wenig die Ausdrucksweise von Höppner, dieses teilweise sehr kindliche Verhalten, welches für mich nicht ganz zum Alter passte.
Und auch Frieder fand ich etwas blasser dargestellt und vor allem bei ihm fand ich das schade. Denn eigentlich dreht sich ja alles in dieser Geschichte um ihn und seinen Selbstmordversuch.
Obwohl viele Dinge im Laufe der Geschichte erklärt werden, war es mir persönlich in diesem Bezug etwas zu wenig.

Sprecher
Robert Stadlober liest die Geschichte in einem ruhigen Sprachtempo vor. Seine recht jung wirkende Stimme passt sehr gut zum Erzähler „Höppner“.

Fazit
„Auerhaus“ ist eine tragische, nicht immer leichte aber faszinierende Geschichte, mit der ich mich zum Schluss noch lange auseinandersetze. Sie macht es nicht leicht, die sechs Hauptfiguren zu mögen.
Respektlos, ehrlich und ohne Scheu wird man mit in die Tiefe der Geschichte gezogen. Man verweilt im „Auerhaus“ um zu hoffen und zu bangen, um zu lachen oder den Kopf zu schütteln und zum Schluss leise diese Türe hinter sich zu schließen und noch lange über die Sechs nachzudenken.

Weitere Informationen zum Hörbuch
Titel: Auerhaus
Autor: Bov Bjerg
Sprecher: Robert Stadlober
Verlag: Aufbau audio
ISBN: 978-3945733110
Erschienen am: 17.07.2015

12 Kommentare zu “Auerhaus / Bov Bjerg

    • Hi Mikka,
      ja, so könnte man es auch beschreiben. Ich denke, es ist halt eines, das polarisiert.
      Die einen werden es lieben, die anderen eher nicht.
      Es ist unheimlich schwer es zu beschreiben. Für mich war es trotz der eigenwilligen Handlung sehr unterhaltsam.
      Liebe Grüße
      Ela

  1. Dieses Buch habe ich gelesen, könnte mich aber zu einer arezension nicht aufraffen. Ich habe es gerne und schnell runtergelesen, wusste aber einfach nicht, was ich dazu schreiben sollte. Vielleicht lag es daran, dass ich mich auch mit keinem Protagonisten identifizieren konnte?
    Viele Grüße
    Silvia

    • Hallo Silvia,
      oh, dass kann ich sehr gut verstehen!
      Ich fand ja auch keinen der Figuren sympathisch und es ist auch sehr schwer „Auerhaus“ zu beschreiben.
      Ich hoffe, ich konnte in meiner Rezension ganz gut ausdrücken, was mir durch den Kopf ging und was ich empfand.
      Denn schlecht war die Geschichte also solche, nun auch nicht 🙂
      Liebe Grüße
      Ela

  2. Das Buch klingt ein weing sperrig und nicht gerade nach leichter Unterhaltung, allerdings auch irgendwie faszinierend. Vielen Dank für die interessante Buchvorstellung!

    LG Gabi

    • Hallo Gabi,
      obwohl es irgendwie unterhaltsam ist, ist es dennoch keine leichte Unterhaltungskost.
      Schwer zu beschreiben aber wie du sagst, auf seine Art und Weise faszinierend.
      Ich bin irgendwie immer noch im Hinterkopf mit dieser Geschichte beschäftigt, was wiederum in der Tat für die Geschichte spricht.
      Ich denke, sie wird aufgrund ihrer Art lange in Erinnerung bleiben.
      Liebe Grüße
      Ela

  3. Liebe Ela,

    die Thematik klingt echt interessant und spricht mich an. Die unsympathischen Protagonisten aber so gar nicht. Ich schätze, dass ich so meine Probleme mit ihnen hätte. Sollte es mir mal in der Bibliothek in die Hände fallen werde ich aber sicher mal reingucken.

    LG
    Julia

    • Hallo Julia,
      ich denke, in dem Fall wäre eine Bibliothek nicht die verkehrteste Wahl! Vielleicht auch eine Leseprobe dazu anschauen?
      Die Figuren haben es mir auch schwer gemacht aber ihre Art gehörte einfach zur Geschichte.
      Anders hätte die Handlung wahrscheinlich auch gar nicht so einnehmend gewirkt.
      Liebe Grüße
      Ela

  4. Erst mal alles Gute für 2017 für Dich und Deine Lieben 🙂
    Es war sehr interessant Deine Meinung zu diesem Titel zu lesen. Ich habe das Buch gelesen und ehrlich gesagt, habe ich mich echt schwer damit getan…Die Protagonisten haben mich zum Teil echt genervt. Aber vielleicht war ja genau das das Ziel?
    LG Moni

    • Hallo Moni,
      ganz lieben Dank, für Dich natürlich auch!
      Das die Protagonisten dich nervten kann ich absolut nachvollziehen!
      Ich mochte ja auch keinen von ihnen!
      Aber diese Geschichte war dennoch intensiv, hatte etwas womit ich mich laufend auseinandersetzte.
      Ich kann es nur ganz schwer beschreiben aber sie war, so abgedreht wie sie war, fesselnd.
      Zum Schluss hätte man sagen können: „Ich habs ja immer geahnt“ 🙂
      also irgendwie ganz großes Kino – frag mich aber nicht warum. Ich hoffe die Rezi konnte gut ausdrücken was mir daran so gut gefiel und was nicht.
      Liebe Grüße
      Ela

  5. Hallo Ela,
    ich weiß nicht so recht, ob es etwas für mich wäre. Die Geschichte hört sich irgendwie ein bisschen schräg an, auch wenn ich gesellschaftskritische Romane eigentlich ganz gerne mal mag. Ich weiß nicht, aber aus deiner Rezension lese ich irgendwie heraus, dass das Buch gut ist, aber irgendwie noch nicht so ganz rund. Da fehlt das gewisste Etwas.
    Lieben Gruß
    Yvonne

    • Hallo Yvonne,
      ich kann deine Bedenken sehr gut verstehen und ich glaube, der Begriff „schräg“ passt da ganz gut zu.
      Die Geschichte ist schwer zu beschreiben und einzuordnen wenn man auch nicht zu viel verraten will.
      Liebe Grüße
      Ela

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