Acht Minuten / Péter Farkas

Kurzbeschreibung
Der alte Mann merkt seit einiger Zeit die Veränderungen. Immer wieder taucht eine fremde Frau auf und verschwindet wieder. Die Ehebetten werden getrennt, dabei schlafen er und seine Frau trotzdem gemeinsam in einem Bett.
Wer glaubt, er könne sich mit der alten Frau nicht mehr verständigen, der irrt sich gewaltig.

Meinung
Der Autor gewährt dem Leser Einblick in das Leben eines dementen alten Paares, die den kompletten Roman durch als „Die alte Frau“ und „der alte Mann“ bezeichnet werden.
Erzählt wird die Geschichte dabei aus der Sicht des alten Mannes.
In ungeschönter, klarer Sprache wird der Leser Zeuge über die Leiden und Umstände der kranken Leute, vor allem aber auch der Liebe und Treue zueinander.
Der Angst vor dem alleine sein und dem loslassen.
Es ist, als wäre der Leser ein stiller Beobachter, der wirklich jedes Detail in diesem Alltag mitbekommt.
Es gibt berührende aber auch schockierende Momente, die die Handlung erschreckend realistischer und persönlicher werden lassen.

Die Beschreibung der beiden Charaktere ist relativ detailliert.
Beide Eheleute bleiben weitestgehend distanziert und doch entwickelt sich auf den wenigen Seiten eine gewisse Sympathie.
Die leichte Distanziertheit mag natürlich der unpersönlichen Bezeichnung der beiden geschuldet sein.

Der Schreibstil machte mir schon zu schaffen.
Wie bereits oben erwähnt ist die Beschreibung oft sehr klar, unverblümt und direkt.
So wird zum Beispiel der Drang zur Toilette sehr ausführlich beschrieben, was ich persönlich nicht unbedingt in einem Roman brauche aber akzeptieren kann.
Allerdings waren es die Gedanken und Bandwurmsätze, die mir etwas zu schaffen machen und mich zwischendurch verwirrten.
Es ist also eine Geschichte, die etwas mehr Konzentration braucht, statt sich leicht weg lesen zu lassen.
Dies zeigt allerdings auch die vorhandene Tiefe.

Fazit
„Acht Minuten“ lässt den Leser hautnah zum Beobachter eines dementen alten Paares werden.
Es ist eine Erzählung, die trotz der geringen Seitenzahl genügend Tiefe bieten kann und zum Nachdenken anregt allerdings sollte man mit der detailverliebten Beschreibung zurechtkommen.
Mir persönlich war es oft zu viel des Guten, was für eine weitere Distanz zur Geschichte sorgte.

Weitere Informationen zu diesem Buch
Titel: Acht Minuten
Autor: Péter Farkas
Verlag: Luchterhand Verlag
ISBN: 978-3-630873046
Seitenzahl: 136
Erschienen am: 17.10.2011

2 Kommentare zu “Acht Minuten / Péter Farkas

  1. Huhu!

    Das Buch klingt sehr bewegend, und für mich ist Altersdemenz etwas, vor dem ich richtig Angst habe – ich möchte tausenmal lieber im Alter mit dem Rollator durch die Gegend rollen, als nicht mehr zu wissen, wo ich bin oder wer der Mann ist, der mit mir hier im Haus lebt!

    Vielleicht würde die Distanz, die du ansprichst, mir daher sogar bei diesem Buch helfen. Detailverliebtheit finde ich bis zu einem gewissen Grad gut, aber dann wird es mir auch schon mal zu viel. Ich bringe da immer das Beispiel Umberto Eco, der übertreibt es für meinen Geschmack gerne mal, wenn er vier Seiten lang die gleiche Tür beschreibt…

    LG,
    Mikka

    • Hallo Mikka,
      blöd das es keine Leseprobe zu diesem Buch gibt, wahrscheinlich weil es schon von 2011 ist.
      Das hätte Dir vielelicht eine bessere Vorstellung von dieser Erzählung geben können.
      Er beschreibt halt viele Details die ich persönlich nicht unbedingt lesen möchte/muss.
      Toillettengang, volle Windeln, sowas halt.
      Lesenswert ist die Geschichte aber trotzdem! 🙂
      Liebe Grüße
      Ela

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